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Sturmfrei – the Aftermath

30.10.2012: Katastrophentourismus und Lagerkoller

Für die, die mich kennen, dürfte es nicht sonderlich verwunderlich sein, dass ich ohne Fernseher und Internet nur bedingt lange durchhalte ohne mich heftig zu langweilen. Die UBahnen fahren derzeit nicht und werden bestimmt noch einige Tage nicht fahren. Es ist ehrlich gesagt unfassbar was hier noch los ist. Die meisten Berichte in den deutschen Medien schienen sich, soweit ich das hier sehen kann, auf die sichtbaren Zerstörungen und den Wahlkampf zu konzentrieren. In Nebensätzen oder am Rande wird erwähnt, dass die UBahn in New York ausgefallen ist, aber was das wirklich bedeutet kann man sich kaum vorstellen.


10 mal: Copy and Paste

Es geht NICHTS und wenn, dann nur sehr langsam. Täglich nutzen über 5 Millionen Menschen hier die UBahn: um zur Arbeit zu kommen, um von der Arbeit zu kommen, um einkaufen zu gehen, um Freunde zu besuchen usw. Das geht jetzt alles nur noch per pedes oder mit dem Fahrrad. Busse fahren morgen erst wieder.

Aus Langeweile und natürlich auch einem gerüttelt Maß Neugier bin ich gestern von uns aus bis zum Battery Park in Lower Manhattan gelatscht. Während in unserem Teil Brooklyns im Grunde alles in Ordnung ist (mit Ausnahme des Baumes, der sich immer noch an unserem Haus anlehnt), sieht die Welt in Downtown Manhattan echt ein bißchen anders aus.


In Brooklyn kann man auf dem Bürgersteig Wimmelbilder machen

Der Strom in ganz Lower Manhattan ist AUS! Die Skyline, die mit ihren beeindruckenden Fassaden bei Nacht des Touristen Auge mit viel Licht erfreut, ist zappenduster.


keiner Zuhause

An einem Dienstagnachmittag sind die Straßen nicht wie ausgestorben, aber fast alles ist geschlossen. Es ist ein ganz merkwürdiges Gefühl durch diesen unglaublich lebhaften Teil New Yorks zu laufen und alle zentralen Punkte des Konsumkapitalismus sind dunkel und haben geschlossen. Lower Manhattan stinkt nach Öl und Dreck. Man kann komplett über Zebrastreifen – bei genügendem Anlauf – schlittern.


Ölig


Ich glaube das hier konnte man bei Tony Hawk 1 skaten …

31.10.2012: Noch lange nicht Back to Normal

Es ist vollbracht! Ich sitze mit meinem Hipster-Notebook in einem hipsterigen Cafe und schreibe an meinem Blog! Es läuft mittelcoole Musik und ich genieße einen gar nicht so schlechten, dafür aber auch sehr teuren Kaffee. Eine Zusammenfassung meiner Erlebnisse wird es dann wohl aus Deutschland erst geben. Ich werde in meiner Wohnung bis zu meiner Abreise kein TV und kein Internet mehr haben. Erschwerend kommt hinzu, dass ich hier auch nicht mehr arbeiten werde. Das Center for Jewish History hat ziemlichen Schaden genommen und wird mindestens bis zum 4.11. geschlossen bleiben. Die UBahnen sind auf unbestimmte Zeit geschlossen, aber dafür fahren die Busse wieder.


Die Busse fahren wieder

Die Straßen sind unglaublich belebt und der Verkehr stockt überall. Die meisten Leute werden heute wieder zur Arbeit zurückerwartet und jetzt stelle man sich vor, dass fünf Millionen Menschen auf Busse, PrivatPKW und Taxen angewiesen sind … New York liegt infrastrukturell sicherlich noch eine Woche oder länger am Boden. Am Sonntag soll eigentlich der Marathon stattfinden. Es ist allerdings unklar, wie die Millionen von Menschen von A nach B kommen sollen und so weiter.

Es gibt nicht mehr viel zu sagen: Das ist wirklich irre hier, nichts funktioniert so, wie man es gewohnt ist, aber irgendwie geht es doch. Eins noch: die 1200 Nationalgardisten, die im Staate New York aufgerufen wurden, sind selbstverständlich nicht dazu da um vor Plünderungen zu verhüten (wie Bild.de berichtete; mal abgesehen davon, dass New York bei denen ein recht dehnbarer Begriff ist. Der Großteil der Bilder stammt aus New Jersey, wo es WIRKLICH schlimm ist), sondern um Leute zu evakuieren und bei den Aufräumarbeiten zu helfen.

Sturmfrei – Tag 1

Kontext

Bevor ich euch in die derbe Live-Action einsteigen lasse, hier mal der Kontext. Hurricane Sandy ist auf dem Weg nach New York, besser gesagt auf dem Weg zu einem sehr großen Teil der Ostküste. Der Name: Es wäre zu schön, wenn das Ding Mandy geheißen worden wäre. Barry Manilow, „Oh Mandy, when you came and you gave without taking“, wäre wirklich der ideale Soundtrack gewesen.
Die verschiedenen TV Sender wie auch die verschiedenen Online Plattformen (Twitter, Facebook, StudiVZ) überbieten sich hier derzeit mit Fakten über Fakten. So soll der Sturm einen Durchmesser von 900 Meilen (etwa 1500 km) haben, sich mit nur 15 miles/hour bewegen und so weiter. Was das heißt wird dem Leser/Zuschauer im Anschluss an die Meldung unmittelbar übersetzt: „really bad“. Ich persönlich finde das bisher eher amüsant, könnte aber sein, dass das noch schlimm hier wird.


Alle Hamster sind restlos ausverkauft

Schlimme Dinge, die bis dato passiert sind:

23:50, 28.10.2012: Die San Francisco Giants gewinnen mit einem 4:0 sweep gegen die Detroit Tigers die World Series. D.h. wenn wir heute Abend noch Strom haben sollten, dann müssen wir unglücklicherweise American Football gucken.

10:20, 29.10.2012: Guten Morgen. Hmm, es regnet und es ist windig. Könnte Oldenburg an jedem beliebigen Zeitpunkt des Jahres sein.

10:28, 29.10.2012: Das Nutella und die Newman’s Own Lemonade sind leer. Das ist jetzt wirklich schlimm! Auf zum Supermarkt.

10:50, 29.10.2012: Ein Freund berichtet mir, dass der Bürgermeister offiziell verboten hat surfen zu gehen.

11:45, 29.10.2012: Auch im Supermarkt gibt es kein Nutella mehr! Was zum Teufel?! Das ist doch kein Stormfood … immerhin gibt es Lemonade, sonst wäre das echt unangenehm worden.

Aktuell:

12:38, 29.10.2012 (ich habe ab jetzt keine Lust mehr das Datum zu schreiben): Ähm, es „frischt“ ein wenig auf. Viel Wind und Regen grade. Gleich spricht Obama

13:12: Ob Sandy dem Obama wie die Oderflut dem Gerd? Er hat auf jeden Fall allen gesagt, dass er und seine Regierung Sandy ernst nehmen. Das ist jetzt schon mehr als George W. vor einiger Zeit zu einem anderen Sturm zu sagen wusste.
Ich muss mich jetzt schon in halbgare politische „Witze“ retten, denn es gibt nichts zu berichten.

13:37: Nix Neues, ich hab vergessen zu sagen, dass wir in „Area B“ leben und wenn der Gowanus über die Ufer tritt könnte es einen wortwörtlichen „Shitstorm“ geben, da das Ding echt randvoll mit Abwasser und Abfall ist.

14:14: Im Fernsehen besprechen die den Sturm wie sie Halbzeitanalysen beim Sport machen: zig Experten für alles mögliche und zahlreiche Graphiken.


Sandy spielt Raumdeckung

14:32: Oh, der Sturm nimmt jetzt echt Fahrt auf.


Von unserem Fenster ist jetzt eine Außenleiste ab. Damn you, Sandy!

15:17: In Manhattan ist ein Kran auf einem Hochhaus abgeknickt und die müssen den jetzt fallen lassen, weil man den nicht sichern kann.

15:24: Wow, um 16:00 werden die Brücken geschlossen.

15:48: Nach wie vor stehen Reporter in windigen Gegenden rum und sagen, dass es gut ist, dass die ganzen Leute in ihren Wohnungen sind. Wenn die Reporter weg sind wirds vielleicht richtig ernst.

16:32: Die Reporter sind noch unterwegs und stehen im Wind herum. Mich langweilt das jetzt erstmal und ich spiele ne Runde Doppelkopf

17:14: Patrick Ebert erzielt sein zweites Saisontor für Real Sociedad San Sebastian … yes, that kind of boring

17:48: Um 19:00 werden alle East River Brücken geschlossen. Dann sind wir wirklich auf ner Insel

18:46: Okay, Battery Park, der Südzipfel von Manhattan, wird jetzt so langsam überflutet. Ferner zeigt das Fernsehen seite einiger Zeit Bilder, die Zuschauer von irgendwelchen Orten gemacht haben, an denen Sturm ist. Es wird zwar immer wieder gesagt, dass man nicht rausgehen soll, aber es sind offenbar zig Leute unterwegs, machen Fotos und zeigen die rum. Das ist n ziemlicher Mediensturm für mich bisher. Null Gefahr.

19:19: GEFAHR! Ich hab grad die Nudeln für unser Abendessen abgegossen, da knallt neben mir ein Baum ins Haus. Fernsehen: Kaputt; Internet: Kaputt … Strom noch an.


DAS KANN MAN SICH JA GAR NICHT VORSTELLEN … also das ist der Baum von der Küche aus gesehen.

22:28: Der Baum ist in den Garten gekracht und nix weiter ist los. Wir haben bestimmt zehn Partien Schach gespielt und die Leute hier trinken Wein. Es ist großartig mit Weinmenschen so einen Abend zu verbringen. Draussen ist es scheisse. Sehr viel Wind und Zone A, die beginnt zwei Blocks von uns, ist überschwemmt. Laut Daniel, der so Handy-Internet hat (das geht noch), ist die UBahn auf 4 Fuß Höhe (das Internet ist aus, daher kann ich das gerade nicht konvertieren, aber 3 Fuß sind ungefähr ein Meter) überflutet, irgendwo ist ein Haus kaputt gegangen. Jetzt ist es eher ein privater Sturm. Ohne Internet und Fernsehen oder Radio ist man mit dem Sturm recht alleine.

23:45: Das Radio funktioniert wieder!!! Eigentlich hat es das bereits die ganze Zeit, aber wir hatten vergessen, dass das Radio auch dann funktioniert, wenn das Internet nicht mehr geht. Eine starke Erfindung!

09:42: Guten Morgen, das Internet ist immer noch schrott. Ich will mal gucken, ob ich nach dem Frühstück einen Starbucks mit Internet finde.

11:29: Wow, es ist hier echt Endzeitstimmung! Die meisten Geschäfte und Cafes haben zu, alle Brücken zwischen Brooklyn und Manhattan, d.h. zwischen uns und dem mittelbaren Festland, sind gesperrt und die UBahn-Tunnel sind überflutet …

Häppchenweise genießbar

Der erste und bisher einzige Kommetator zu vorangegangenem Beitrag bemerkte, dass ich kürzere Episoden schreiben solle. Dazu habe ich aber keine Lust und außerdem gibt es auch noch wirklich viel zu berichten. Zum Glück hängen aber die folgenden Beiträge nicht unbedingt miteinander zusammen, wenn man davon absieht, dass sie mit mir und meinem Aufenthalt in New York zu tun haben. Man darf sich also getrost einen Teil in der Halbzeitpause des kommenden Bundesligaspieltags durchlesen und dann später wieder einsteigen.
Die Tatsache, dass ich erst einen Kommentar zu vorigem Beitrag habe betrübt mich ein wenig, da ich gehofft hatte eine große Raterei loszutreten, um welches Buch es sich denn wohl gehandelt haben könnte, das die beiden schottischen Freunde erraten haben ohne auch nur ein Wort darüber zu hören. Also: Ante Up, ich verlose was unter allen richtigen Antworten.

Fahrradfahrn

Da ich im September und Oktober insgesamt 9 freie Arbeitstage hatte (es scheint als seien alle jüdischen Feiertage auf diesen Zeitraum verteilt), war es mir vergönnt häufiger Montags und Dienstags a) auszuschlafen und b) Sachen zu machen. Neben meiner Arbeit an einem Aufsatz …. blablabla … habe ich auch eine wunderbare Fahrradtour durch das angrenzende Stadtviertel Red Hook unternommen. Rudi war so nett mir sein Fahrrad auszuleihen. Wohl gefühlt habe ich mich auf der Mühle nicht wirklich: einer der beiden Bremshebel ist mit Klebeband zwar gutgemeint am Fahrrad befestigt, bremsen tun die das Ding aber nicht wirklich.


Da drin hätte ich das Ross gerne für immer geparkt

Red Hook war ursprünglich von irgendwelchen Holländern besiedelt, hat sich aber im 19. und 20. Jahrhundert zu einem eher industriell geprägten Stadtteil entwickelt. Obwohl das LIFE Magazine 1990 den Stadteil als „the crack capital of America“ bezeichnet hat, finde ich es da im Grunde sehr, sehr schön. Vor allem in der Nähe des IKEA-Plaza (ja, gibts hier auch den Laden) zeigt Red Hook seine starken Seiten. Zahlreiche alte Lagerhäuser aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert verdichten sich hier zu einem Freilichtmuseum allererster Güte. Das einzig wirklich blöde an einer Fahrradtour durch diese Gegend ist das Kopfsteinpflaster, dass Fahrradfahren für keinen Teil meines Körpers sehr angenehm gemacht hat.


Red Hook. PS: Auf der anderen Seite der Fassade ist der Supermarkt meines Vertauens

So I‘m out pickin‘ pockets at the Atlantic Antic // And nobody wants to hear you cause your rhymes are so frantic (Beastie Boys: Shadrach)

Taschendiebstahl wäre auf der Atlantic Antic, einem der sicherlich größten Straßenfeste New Yorks, bestimmt kein Problem gewesen. 2-3 Kilometer der Atlantic Avenue, neben der Flatbush Avenue, eine der Hauptverkehrsadern Brooklyns, waren für einen ganzen Sonntag gesperrt. Rudi und seine Kumpels nahmen mich gegen Mittag mit zu diesem riesigen Straßenfest und jeder hatte mindestens eine Geschichte parat, wie unangenehm es ist, wenn man während der „Antic“ mit dem Auto fahren muss. Mussten wir aber zum Glück nicht und hätten wir sicherlich auch nach zwei Stunden dort nicht mehr gedurft (Bier!).
Bei herrlichem Sonnenschein galt es sich zwischen unzähligen Essensständen, Musikbühnen und Wohltätigkeitsorganisationen sowie einer Familienpackung voller Menschen (Menschenpackung voller Familien?) durchzuwieseln.


Menschenmassen zum durchwieseln

Kurz bevor wir eine Band bestehend aus Bekannten von Rudi und seinen Kumpels sehen konnten fing es an zu regnen. Das war aber gar nicht so schlimm, da die Bühne direkt vor einer sehr netten Bar war (in der ich schon zwei mal zuvor war) und wir dort mit Biertrinken und schnacken weitermachen konnten. Die Band, die dann mit einer Stunde Verzögerung begann, war super. Alle sieben BandmitgliederInnen hatte ich kurz vorher noch kennengelernt und ich kann mit Bestimmtheit sagen: das waren Amis. Auf der Bühne aber, welch wundersame Verwandlung, stand dann eine französische Popband. Der Sänger machte die albernsten Ansagen in wirklich gutem Französisch und übersetzte sich selber immer direkt mit schwerem französischen Akzent. Mein persönliches Highlight war, als er feststellte, dass la douche im französischen etwas ganz anderes als im englischen Sprachgebrauch bedeute.


Toll fand ich die alle

Den Rest der Antik verbrachten wir mit schlendern, Bier trinken (ACHJAAA! Auf der Antic ist es erlaubt öffentlich Bier zu trinken, weiß der Geier warum) und Sachen angucken. Neben den ‚Wings of Terror‘, Durchschnittsalter sicherlich 58, die Rock n‘Roll aus dem England der 1960er und 1970er spielten, gefiel mir eine Dreierkombo sehr gut, die im Grunde ne Art Tribute-Band für die Foo Fighters zu sein schien – zumindest haben sie nur FF Songs gespielt und es könnte ja durchaus schlimmer kommen.


Es hätte schlimmer kommen können; viele Fans gabs trotzdem nicht

Geburtstag

Am 9.10.2012 war es dann so weit: nach alter Sitte hatte ich beschlossen in meinen Geburtstag ‚reinzufeiern‘, wie man so schön sagt. Ich hatte die Leute, die ich bisher kennengelernt hatte, eingeladen und die haben dann auch noch welche mitgebracht. Außerdem waren mein Cousin und seine Frau zu Besuch. Somit waren wir ganze acht Leute, inklusive mir. Es war sehr ungewohnt meinen Geburtstag nicht auf einem rauschenden Fest mit ganz vielen Leuten zu verbringen, um dann kurz vor Mitternacht aus Gründen ins Bett zu müssen. Der Abend war ganz wunderbar, der Tag danach leider umso weniger. Rudi und ich hatten entschieden, dass mein Geburtstag im Prinzip ja schon um 6:00pm New York-Zeit in Deutschland begonnen hatte (you do the math) und ich im Prinzip in allen anderen Zeitzonen bis New York ja auch schon mal gewesen war. Daher stießen wir jede Stunde auf meinen Geburtstag an, es gab ein regelrechtes High-Five-Gewitter und von Stunde zu Stunde wurde es ausgelassener. Alles in allem ein runder Geburtstag (auch der Zahl der Jahre wegen, die ich seitdem zähle).


Party hard

Empire State Building

Bisher hatte ich immer irgendwelche pseudo-coolen Gründe vorgeschoben, nicht aus Empire State Building zu gehen („Ich bin doch kein Touri, ay“; „Pfff, na und, dann sieht man das, was man sowieso schon kennt“; „Ich betrete kein Gebäude, auf dem ein Affenfettsack gesessen hat“, okay, den Grund find ich immer noch witzig, man stelle sich vor, dies sei tatsächlich eine Maxime). Im Grunde war es aber bisher an meinem Unwillen gescheitert tüchtig viel Geld dafür auszugeben. Mein lieber Cousin und seine ebenso liebe Frau hatten aber entschieden mir den Besuch zum Geburtstag zu schenken: VIELEN DANK! Das war ein großartiges Erlebnis, wie überhaupt der gesamte Tag. Zwar war ich noch ziemlich angeschossen von dem am Abend zuvor besuchten Konzert, aber es wurde ein wunderbarer Tag. Zunächst das im Beaux Art Stil erbaute Grand Central Terminal, dann das im Art Deco Stil gestaltete Chrysler Building und dann das im gleichen Stil gebaute Empire State Buidling, von dem aus man mein absolutes Lieblingsgebäude, bereits genanntes Chrysler Building sehr gut sehen konnte. Mal ganz abgesehen von der Architektur: Der Blick vom Empire State Building ist bombastisch.


ein bombastischer Blick

Die Aussichtsplattform war, selbstverständlich, randvoll mit TouristInnen, die sich gegenseitig die wildesten Sachen über New York zu erzählen wussten. Für mich war es ganz wunderbar festzustellen, dass ich mich hier mittlerweile wirklich sehr gut auskenne, die Bronx mit einem müden Lächeln von Queens und Brooklyn unterscheiden kann und den Blick auf New Jersey nur deshalb zu würdigen wusste, mal vorher noch die Westside sehen kann. Beeindruckend fand ich ferner, dass man erst mit der großen Distanz zwischen dem fast fertigen World Trade Center I und dem Empire State Building den enormen Höhenunterschied des ersteren gegenüber allen anderen Hochhäusern von Lower Manhattan erkennen konnte.


Hier kann man einiges sehen, Schachbrettstruktur usw.; man beachte aber v.a. den enormen Höhenunterschied

Verrazano Narrows Bridge und Staten Island

Das hier noch, dann habe ich erst mal wieder alles gesagt. Letztes Wochenende sind Rudi und ich mit seinem wundervollen Auto nach Staten Island gefahren. Richtig, das Staten Island zu dem ich häufiger mit der Fähre gefahren bin. Mit dem Auto kann man aber viel mehr entdecken, z.B. die Verrazano Narrows Bridge.


Ein schönes Auto. Quizfrage: aus welchem Film und welcher Serie kennt man es?

Auf der Brücke wurde, so hat mir ein New Yorker auf meiner zweiten Staten Island Ferry Tour erzählt, eine Szene von Saturday Night Fever gedreht. Die Brücke verbindet Brooklyn mit Staten Island und ist, wie im Grunde alle Brücken hier, ein recht beeindruckendes Bauwerk.


Lang und groß und hoch undundund

Rudi und ich sind bestimmt eine Stunde am Strand langgelatscht, haben uns Treibgut und anderen Meereskram angeguckt und sind bis unter die Brücke gelaufen.

Im Anschluss daran wollte Rudi mir Staten Island zeigen und ich muss sagen: das ist mal echt anders da als sonstwo in New York. An einigen Stellen gibt es wunderbare alte viktorianische Villen, an anderen aber, wie soll ich sagen, „so richtig Amerika, wie im Fernsehen“.


Das Foto kann nur bedingt was dafür, dass der Foto-Graf so schlecht ist

Wir fuhren den Hylan Boulevard herunter, der im Grunde die ganze Ostseite Staten Islands entlangführt. Dieser Boulevard bot alles, was man sich an Fast Food Ketten so vorstellen kann und sieht so aus, wie ich mir amerikanische Städte immer vorgestellt habe: Geschäft an Geschäft an Geschäft an großer und breiter Straße. Um den Tag abzurunden kehrten wir dann auch an einem Fast Food Laden ein, von dem ich mal gehört hatte und wissen wollte, was es denn da mit so auf sich hat. Das Fazit: Wendy’s Fast Food ist genauso mittelmäßig wie das anderer bekannter Ketten.

Das Fazit dieses Beitrags: So richtig lustig wars nicht, aber dafür hatte ich genug zu erzählen.

Musi und Museen

Dialogischer Einstieg mit einer Liste

Ay Jörn, echt, n ganzer Monat??? Hattest du nicht davon gesprochen alle zwei Wochen was zu schreiben?
- Ja, äh, hatte ich, allerdings:

a) ich war nicht besonders zufrieden mit dem letzten Beitrag und wollte was total ausführliches und vor allem auch inhaltsvolleres schreiben
b) ich hatte echt viel zu tun: einen Aufsatz für eine Fachzeitschrift, einen Vortrag, ich hatte viel Besuch und außerdem musste ich auf viele Konzerte
c) ich spreche von vielen Dingen wenn der Tag lang ist.

Lang wird auch dieser Beitrag, weshalb ich ihn in zwei Episoden geteilt habe. In diesem wird es um mein, naja, kulturelles Rahmenprogramm gehen. Was in dem anderen passiert ist noch geheim und kommt morgen oder so.

Wenn die Musi spielt

In meinem letzten Beitrag hatte ich von meinen damals kommenden Konzerten geschwärmt. Mittlerweile war ich bei allen und nun möchte ich davon berichten. Nun geht es an meine mehr als subjektive Rückschau auf diese Konzerte. Es wird dabei weniger um Musikkritik gehen, ich kann das überhaupt nicht, sondern darum was ich cool fand, was nicht (das Wort „scheisse“ wird noch drei Mal fallen) und was mir aufgefallen ist.

ATP Festival

Vom 21. bis zum 23. September fand zum ersten Mal das „I‘ll be your Mirror“ Festival in New York City statt. Ursprünglich war New Jersey vorgesehen, aber zum Glück für alle Beteiligten fand es dort nicht statt. Zuvor hatte es hin und wieder in den Catskills stattgefunden. Die Catskills sind so ein Mittelgebirgszug in Upstate New York, den Rest darf man gerne bei Wikipedia und so nachgucken. Die All Tomorrows Parties [ATP] Festivals werden jeweils von eineM MusikerIn kuratiert. Für das „I‘ll be your Mirror NYC 2012″ durfte Greg Dulli, Gitarrist und Sänger der Band Afghan Whigs, ran. Er sollte Bands und Solisten einladen, die er cool, inspirierend, verfügbar oder was auch immer fand. [Anmerkung: Ich suche immer noch Leute, die Lust haben im Mai 2013 nach England zum Mutterschiff der ATP mitzkommen.] Das gesamte Line-Up ließ sich wirklich sehen, aber leider bin ich kein Millionär und konnte daher nur einen der drei Tage teilnehmen. Daher hatte ich mich für den Samstag entschieden, an welchem ich etliche Bands/Künstler sehen konnte. Zu diesen:

- Die ersten drei die ich gesehen habe (Afterhours, Emeralds, Vetiver) sind nicht der Rede wert, ich könnte nicht viel darüber sagen, außer dass sie mich „nicht abgeholt“ haben.

Dann kamen aber zwei absolut positive Überraschungen:

- Charles Bradley

Um 15:00 war die Sonne rausgekommen, um 15:45 saß ich im Sonnenschein mit Zigarette und Bier auf dem Boden vor der Bühne und konnte Trompeten, Saxofonen, Gitarren, Schlagzeug und allerlei anderen Instrumenten beim gestimmt werden zugucken und -hören. „Das könnte ganz gut werden“, dachte ich so bei mir. Um kurz nach vier sah ich einen älteren schwarzen Herren, der sich mit seinem Glitzeroutfit deutlich von dem auf dem Gelände anwesenden Flickenteppich diverser Hipster-Stilrichtungen (inklusive eines gewissen Deutschen, der immer so tut als sei ihm sein Outfit egal) abhob. Der „Screaming Eagle of Soul“ und seine Band legten los wie die Feuerwehr und ließen für die nächsten 45 Minuten nicht nach. Zwar war das sexy-Soul-Singer-Gepose Bradleys auf einige wenige Posen beschränkt, aber die waren cool und wirkten erstaunlich erfrischend inmitten verhipsterter Blasiertheit. Die Musik war großartig und ich fühlte mich mehr als gut unterhalten.


Der „Screaming Eagle of Soul“ in seinem Glitzeroutfit und einer Pose (beides kann man nicht sehen)

- Dirty Three:

Direkt nach Charles Bradley begann das Konzert der Dirty Three. Drei alte, aber soweit ich sehen konnte, saubere Typen, die total wahnsinnige Instrumentalmusik gemacht haben: eine Geige, eine Gitarre und ein Schlagzeug. Der Geiger, Australier, machte zwischendurch höchst amüsante Ansagen, etwa: „Imagine, you have taken too many mushrooms, and everything seems to be fluffy, but also very scary. Well, the next song is sort of about this, or its not, I dunno“. Die Songs waren ein Klanggewebe mit ständig wechselndem Rhytmus und dem Potenzial um mal tüchtig dazu auszurasten. Ich weiß nicht, ob ich der einzige war, der das so sah, aber der Rest des Publikums wippte interessiert mit und nach jedem Song gab es Applaus und es wurde auch ge“whooo“d (wie soll man das sonst schreiben?). Diese Erfahrung, dass das Publikum hier nicht so wirklich ausrastet, würde sich bei den kommenden Konzerten bestätigen.

- Pause: Bier und Book Bingo

Bis zu Jose Gonzalez‘ Auftritt später am Abend hatte ich mehr oder weniger Pause. Die Mark Lanegan Band habe ich mir zwar für eine Weile angeguckt, aber die waren scheisse. Stattdessen habe ich ziemlich viel Bier getrunken und mich zum Book Bingo begeben. Bezüglich Bier: Bisher war ich auf Festivals, auf denen alle Beteiligten alles gegeben haben um möglichst weit von ihrer eigentlichen Persönlichkeit entfernt zu sein (Drogen, Bier, Schlafentzug). Hier war das irgendwie anders. Ich habe das Gefühl eine Art Rekord gesetzt zu haben (15 halbe Liter verteilt auf 12 Stunden fand ich echt nicht viel, gemessen an dem was ich sonst so kannte). Book Bingo: Das war ganz witzig. Den Moderator fanden alle toll, weil er einen englischen Akzent hatte und ganz oft C*** und F*** und so Worte gesagt hat. Wenn ich öffentlich sowas durch ein Mikrofon sagte würde, so gäbe es wohl eher keinen Applaus, sondern was aufs Maul. Mit Ausnahme von böse-lustigen Wörtern las er Zitate aus bekannten Büchern vor, man musste ‚Nerd‘ rufen und war dann dran den Titel zu nennen. Richtiger Titel = Buch gewonnen. Mit Ausnahme eines Titels war ich leider nicht in der Lage eines der Zitate zu erkennen. Den Titel, den ich hätte erkennen können, hatten zwei füllige Schotten (bei näherer Überlegung könnten DIE eventuell in meiner Bierliga gespielt haben) – allerdings BEVOR der Moderator das Zitat vorlesen konnte – erkannt. Der Moderator hatte nämlich vorher, an den Tisch der beiden Freunde aus Schottland gewandt, angedeutet, dass es ein Buch aus „me Scottish mates‘ home“ sei [Meine werten LeserInnen: Ihr seid herzlich eingeladen zu raten, welches Buch betrunkene und füllige Schotten erkennen, bevor sie auch nur ein Wort daraus vorgelesen bekommen]. Ich hatte angesichts der kumpeligen Atmosphäre dann doch keine Lust an die Fairness zu appellieren, zumal ich auf dem Boot, auf welchem das Quiz stattfand, schon vorher nicht gerade durch Standfestigkeit aufgefallen war und daher nicht nach vorne gehen wollte. BOOOOT??? Ja, das Festival fand an den Gestaden des East River statt, man hatte eine wunderbare Aussicht auf Brooklyn, die Manhattan und die Brooklyn Bridge und man konnte auf ein Boot gehen, Bier trinken, Book Bingo spielen und schwanken ohne dass man betrunken wirkte – man war ja auf einem Boot


Erlaubnis und Erlaubtes

- Jose Gonzalez

Eine Viertelstunde bevor Jose Gonzalez anfangen sollte ging ich zur Bühne, naja, erst zur Bierbude. Als ich dort stand war ich ziemlich verärgert, weil das Konzert schon angefangen zu haben schien. Viel schlimmer noch: es schien sich keiner dafür zu interessieren, es waren nur so ungefähr zehn Leute vor der Bühne. Es dauerte etwa bis kurz vor Ende des „Konzerts“ bis ich feststellte, dass das nur ein Soundcheck war: SO GUT war schon der Soundcheck! Das Konzert fing dann doch pünktlich an und ich kann nicht viel dazu sagen, ausser dass ich in der ersten Reihe stand und glücklich war! Großartige Stimme, tolle Musik … wunderbar!


Jose Gonzalez und so ein Typ der dazu getrommelt hat unter dem FDR-Drive

- Afghan Whigs

Nach dem Konzert von Jose Gonzalez waren die Afghan Whigs dran. Ich hatte von dieser Band vorher wenig gehört, aber meine Musikkennerfreunde waren alle sehr begeistert, dass ich die sehen durfte … nach etwa 30 Minuten des Konzerts konnte ich diese Begeisterung immer noch nicht verstehen. Das war zwar alles irgendwie rockig und cool, aber so großartig, wie ich es erwartet hatte war es nicht. Vielleicht lag es an der Länge des Tages, dem Bier oder dem Fehlen von enthusiastischen Leuten, die mich hätten begleiten können: ich fand, dass das irgendwie Indie-mäßiger Stadionrock war. Nicht mehr.

- The Roots

Eine meiner absoluten Lieblingsbands seit den 1990er Jahren enttäuschten mich … NICHT! Es war ein großartiges Konzert, aber erst nachdem ich nach zwei Songs die erste Reihe verlassen hatte, weil der Sound dort nicht wirklich gut war. Mit etwas Distanz zur Bühne konnte ich ein ganz hervorragendes Konzert genießen: derbe Beats und fette Rhymes, oder wie man so sagt. Allerdings fast keine Hip-Hop-Clownerei – vielleicht war der vorige Satz sogar Hip-Hop-Clowniger als alles was auf dem gesamten Konzert im Publikum geschah.


The Roots mit Tuba(?)-Spieler

Dieses Konzert bildete den Abschluss des Festival-Samstags und ich ging ziemlich zufrieden durch den Regen zur UBahn (nicht ohne mich zweimal zu verlaufen)


Ein Bild, das keine Worte braucht

Two Gallants

Bereits zwei Tage später durfte ich die Two Gallants im Bowery Ballroom sehen. Ganz recht, die Location in der ich bei dem letzten Konzert sehr gefroren habe. Die Vorband, PAPA, war nicht wirklich der Rede wert, ganz nett aber nichts besonderes. Leider existieren von dem Konzert keinerlei Fotos, da ich zu sehr mit Mitsingen, die Faust schütteln und springen beschäftigt war. Auch bei diesem Konzert stieß mir recht bitter auf, dass eher rumgestanden und geklatscht wurde, statt die Energie der Musik in rumspringen und verrückt werden umzusetzen. Die Gallanten spielten ein Set aus den beiden letzten Alben sowie dem neuen „The Bloom and the Blight“. Zwar kannte ich aus dem Album längst nicht alle Songs aber im Gegensatz zum eher mäßigen „Two Gallants“ von 2007, hat mich der neue Kram wirklich überzeugt: darf man sich gerne kaufen, was ich auch getan habe. Dazu gab es ein T-Shirt mit Einhörnern.


Wenn Einhornfohlen sich übergeben, dann aber richtig

Caspian, Cursive, Minus the Bear

Direkt am Times Square, inmitten des Gewimmels von Musical Touristen, Batmännern, Schlümpfen, Mickey und Minnie Mäusen, dem bekackten Naked Cowboy und seinen Schergen, deren Agenda ich bis heute nicht kapiere, und anderen Figuren, liegt das Best Buy Theatre. Selbiges ist eine riesengroße Konzerthalle, die man über eine Rolltreppe erreicht und in der Getränke sehr viel Geld kosten. Keine guten Startvoraussetzungen für einen schönen Abend, wie ich fand.
Dunkelheit, Bühnenlicht, ein Roadie, der eine leise Melodie auf einem Keyboard anstellt, zwei Minuten diese Melodie, BAMM: Die drei Gitarren, der Bass und das Schlagzeug der Post-Rock-, Math-Rock-, was-weiß-ich- Band „Caspian“ legten los. Das war absolut der Wahnsinn! Eine unfassbare Energie! Die nächste Zeitspanne, deren Dauer ich nicht mal annähernd einschätzen kann, war voll mit ganz hervorragender Musik. Abgerundet wurde das Ganze durch die aktive Beteiligung aller Musiker am Schlagzeug. Großartig.
Im Anschluss: Cursive. Die hatte ich, ähnlich wie die Two Gallants zuvor und auch die darauf folgenden Minus the Bear schon in kleineren Clubs gesehen (jaja, ist ätzendens Hipster-Nerd-Geschwätze). Ich bin mir nicht sicher, was schief gelaufen ist, ob es keinen Soundcheck gab, ob der Typ am Mischpult Quatsch gemacht hat, ob die nur in kleinen Clubs „gut kommen“ oder was … das Konzert war scheisse. Immer wenn Tim Kasher ins Mikrofon sang, gab es ein ganz merkwürdiges Bass-Echo oder wie das heißt. Klang mies, hat keinen Spaß gemacht.
Jetzt aber: Minus the Bear. Es gibt noch mehr ätzendes Hipster-Musik-Nerd-Geschwätz: Früher waren die echt besser. Alle neuen Songs sind Mist, alle Songs vor Omni (dem vorletzten Album) sind großartig. Dementsprechend war mein Konzertgenuss: ständig alternierend zwischen Mitgesinge, Gehüpfe und Kopfschütteln (nicht verneinend, sondern intensiv bejahend) und einem enttäuschten „was ist denn das wieder für ein Mist“, verneinendem Kopfschütteln … so kann ein und dieselbe Körperbewegung je nach Laune ultimativ entgegengesetzte Empfindungen ausdrücken.


„und jetzt schmeissen die auch noch Bälle ins Publikum … Oh, Mann!“

Texas is the Reason

An meinem Geburtstag (dazu vielleicht in einem anderen Beitrag mehr) ging ich mit meinem Cousin und seiner Frau, die mich zu der Zeit hier besucht haben, zum ersten Konzert das „Texas is the Reason“ in sechs Jahren in New York gegeben haben. Zuvor hatte ich VON der Band immer mal wieder von einem musikalisch sehr viel versierteren lieben Freund gehört, die Band selbst aber noch nie auf den Ohren gehabt. Nur auf den Rat besagten Freundes ging ich zu dem Konzert und war guter Dinge, das es großartig werden würde (siehe auch den Eintrag der Leserin zu letztem Beitrag). Zuerst: Die Music Hall of Williamsburg ist scheisse (na, wer hat mitgezählt?). Einlass sollte um 19:00 sein, die Türen öffneten sich gegen 20:15; zum rauchen durfte man erst nach der – mittelmäßigen – Vorband raus; die Klimaanlage ist noch schlimmer als im Bowery Ballroom (ich bin mir sicher, dass man dort problemlos im Wintermantel an einem Metal Konzert teilnehmen könnte und dabei keinen einzigen Tropfen Schweiß verlöre). Texas is the Reason waren super und das erste Mal konnte ich hier ein wirklich passioniertes Publikum miterleben. Mit meinen nun 30 Jahren fühlte ich mich vorher ja ach-so-alt, aber die Leute die sich um mich herum in den Armen lagen, ihre Fäuste schüttelten und herumsprangen, waren nicht nur sehr engagiert bei der Sache, sondern auch teilweise Anfang/Mitte 40. Verjüngungskur, fantastisches, wenn auch sehr lautes Konzert, gute Vibes: Hervorragend, danke für den Tipp!


Ein 30-jähriger Mann mit neuer Mütze vor einem tollen Konzert

Museen

Dank meiner Tätigkeit am Center for Jewish History habe ich freien Zugang zu allen Museen in New York (ich interessiere mich wirklich nicht sehr für Museen und bitte alle, die meinen, dass ich das doch unbedingt ganz intensiv nutzen sollte um Verzeihung: mich „holt das eigentlich nicht so ab“)

The Metropolitan Museum of Art

… ist ein riesengroßes altes Haus am Central Park (Kenntnisse vor dem Besuch)

… ist so ein Museum, das mich nicht abholt (Erkenntnis nach dem Besuch)

Ich kann alle verstehen, die das nicht verstehen, aber ich interessiere mich nicht die Bohne für alte italienische, spanische, französische, deutsche, holländische, englische und sonstige Bilder vor etwa 1890. Die sind groß, in der Regel voll mit Religion, Krieg, Hass, Blut, Brüsten und solchen Sachen und mich interessiert das wirklich nicht. Griechische Statuen finde ich langweilig, asiatische Vasen uninteressant und Teppiche aus Vorderasien würde ich mir nichtmal für umsonst in meine Wohnung legen. Gesprochen wie ein wahrer Banause. Die einzige Dauerausstellung an der ich wirklich interessiert war, war die zur Avantgarde / Fin de Siècle Malerei in Europa. Dort fand ich sage und schreibe zehn Bilder und war sehr enttäuscht. Auf dem Weg aus diesem Teil des Gebäudes konnte ich dann einige Bilder von Munch, van Gogh und Gaugin sehen, die ich entgegen meiner vorherigen Behauptungen dann doch ganz gut fand. Kubismus, ja, Sie Herr Picasso und ihre Kumpels, lässt mich kalt.
In einem anderen Flügel des Museums gab es verschiedene Sonderausstellungen. Während mich die zu Andy Warhol ebenfalls kalt ließ, fand ich die zu Fotokunst ganz ausgezeichnet.


Das Gesicht eines kleinen Mädchens mit den Augen eines Hundewelpen zusammengewurschtelt, wirklich super und gruselig

Museum of Modern Art

Aus dramaturgischen Gründen (Sachen die mich nicht abholen) habe ich den zeitlich späteren Besuch des Metropolitan dem des MoMa in meiner Erzählung vorgezogen. Mit meinem lieben Mitbewohner war ich an einem meiner zahlreichen freien Montage (dazu vielleicht in einem anderen Beitrag mehr) zum MoMa gefahren (ich darf nämlich auch noch eine Person für lau mitnehmen). Da hat mich wirklich eine ganze Menge Zeug abgeholt. Im Gegensatz zum Metropolitan mit seinen überdimensionierten Dauerausstellungen, finden sich im MoMa größtenteils nur kurze Ausstellungen. Besonders interessant fand ich die Ausstellung mit dem Titel „Shaping Modernity“ in der es um alltägliche Gegenstände ging und wie sie im Laufe der Zeit ihre Form verändert haben.


Stuhl vor/um 1900


Stuhl 1960er (glaube ich)

Ferner finden sich im MoMa auch Bilder, so wie das folgende, welches ich meiner geneigten Leserschaft keinesfalls vorenthalten möchte.


There is A LOT going on in this picture

Ich bin mit dem heutigen Beitrag sehr zufrieden … und das ist doch die Hauptsache. Bitte schüttet euren Zorn über meine ungerechte Kritik an den einzelnen Bands oder mein völlig unterdurchschnittliches Interesse an Hochkultur über mir aus: ich freue mich drauf!

Laaangweilig: New York ist immer noch toll

Ein doppeltes „nachdem“: Nachdem ich im letzten Eintrag so ziemlich alles gesagt habe, was ich so über New York und mein Leben hier bis dato zu sagen hatte, dachte ich mir ein Schweigen wäre erst einmal in Ordnung. Nachdem ich in den letzten zwei Wochen nahezu durchgängig Besuch hatte, war ich auch dazu gezwungen zu schweigen, denn Freunde zu Besuch zu haben ist ziemlich großartig und dann verbringt man lieber Zeit mit denen als mit bloggen.

Mein Schweigen, weil ich ja im Grunde alles gesagt habe, hat nicht dazu geführt, dass ich kluge Ideen hatte, worüber ich nun noch schreiben könnte. Ich versuche es trotzdem mal.

1. Alltag

Nachdem ich mich im letzten Beitrag sehr ausführlich mit der Frage auseinandergesetzt habe, ob ich nun hier ‚heimisch‘ geworden bin und darauf ein eindeutiges sowohl-als auch zu antworten wusste, komme ich auch heute nicht umhin ein wenig über meinen Alltag zu schreiben.

Ich mache hier echt viel Zeug, das für Außenstehende eher uncool und langweilig wirkt: zum Beispiel arbeiten. Im Grunde hat mich persönlich das Konzept von Arbeit und dem was so dazugehört (Aufstehen zu nicht von mir bestimmten Zeiten, so ins Bett gehen, dass man auch wirklich morgens aufsteht, dass man nicht ganz das anziehen darf was man gerne möchte: ein T-Shirt auf dem „Fuck You“ steht geht einfach nicht auf Arbeit; kurze Hosen sind auch nicht so richtig gern gesehen) noch nie so richtig überzeugt. Ganz ohne geht es aber wohl nicht. Über das, was ich im Archiv so tue, habe ich ja bereits ausführlich berichtet (altes Zeug sortieren). Das macht mir nach wie vor auch echt Spaß. Das Schöne daran ist, dass man dabei feststellt, dass auch früher der Alltag der Menschen nicht zwangsläufig spannender war. Der Briefwechsel zwischen Stefan Zweig und Siegfried Warburg, den ich jüngst bearbeitet habe, war zum Beispiel tatsächlich ziemlich langweilig.
Ein Grund, warum ich hier gerade schreibe ist auch, dass ich mit meiner Arbeit an einem Aufsatz für eine wissenschaftliche Zeitschrift so weit fertig bin, dass ich was neues anfangen müsste und darauf habe ich jetzt gerade mal keinen Bock.

In meinem New Yorker Alltagsleben mache ich aber auch Sachen, die ich total gut finde und deshalb auch gerne oft mache. Zum Beispiel grillen. Dabei geht es nicht immer so feudal zu, wie auf dem unteren Foto (ähem, es gab: Filet Mignon, grünen Spargel und, naja, Wurst).


(Grillen)

Im Gegenteil: Grillen ist für Rudi und mich einen total legitime Art der Essenszubereitung, die kein großes Drumherum benötigt; manchmal wird einfach schnell der Grill angeschmissen, es wird ein Stück Tier in der ein oder anderen Variante draufgelegt und dann gegessen; Salat kann, muss aber nicht sein.

Ich spiele auch nach wie vor gern Fußball. Das Problem dabei ist, dass die Saison für die Jugendmannschaften wieder angefangen hat. Diese Teams haben eine offizielle Erlaubnis die Fußballplätze hier zu benutzen. Das führt dazu, dass die ‚Pick-Up-Games‘ auf sehr engem Raum stattfinden, was oft ziemlich frustrierend ist. 10 gegen 10 funktioniert nicht auf dem Drittel der Fläche eines normalen Fußballfeldes.

Ferner gefallen mir nach wie vor geradezu ikonische New York-Szenen total gut. Hier eines meiner Lieblingsfotos bisher:


(Ikonisches: Straßen, Menschen, Dampf)

Ich finde es großartig, wenn es irgendwo dampft, Leute recht unorganisiert durch die Gegend latschen und die Sonne scheint. All diese Dinge gibt es sicherlich auch woanders, aber ich bin halt hier.

„Drinking on the Staten Island Ferry is an INSTITUTION“: Diese Worte eines meiner New Yorker Arbeitskollegen haben mich dann doch ein wenig beruhigt, als ich in der Mittagspause vorsichtig erwähnte, dass ich mit meinem Cousin wie mit meinen anderen Besuchern zuvor zum Biertrinken und Skyline gucken die Fähre am Abend nehmen werde.
Dabei fällt mir auf: ich habe noch gar nicht von dieser großartigen Sache berichtet. Also: man kann vom South Ferry Anleger ganz im Süden Manhattans eine Fähre nach Staten Island nehmen. Staten Island ist der fünfte Bezirk New Yorks, den man allzu oft vergisst (zur Erinnerung: Brooklyn, Manhattan, Queens, The Bronx). Es gibt mindestens drei Argumente dafür diese Fähre großartig zu finden: 1. man läuft mit leicht arrogantem Kennerblick an der Warteschlange von Touristen vorbei, die bis zu zwei Stunden anstehen, um dann 25 Dollar für die Liberty Island Ferry zu zahlen (die bringt einen zur ach-so-tollen Freiheitsstatue); 2. ist die Fähre nach Staten Island für lau; 3. fährt man ungefähr 25 Minuten nach Staten Island, hält seine Nase in den Winde und kann die Freiheitstatue auch sehr gut sehen; 4. kann man auf der Rückfahrt solche (siehe unten) und ähnliche Fotos von der Skyline machen; 5. man darf auf der Fähre Bier trinken, muss die Dose nicht in eine braune Tüte packen und vor allem: man muss die Dose innerhalb von 25 Minuten austrinken, weil man sie nicht von Bord mitnehmen darf. Das führt natürlich dazu, dass der Erwerb einer 750ml Dose Fosters zu einer fast sportlichen Herausforderung wird. Das waren übrigens mehr als drei Argumente.


(wieder was ikonisches: die Skyline. Die beiden Lichtsäulen werden im Andenken an die „9/11 Attacks“ ein paar Tage vor dem 11. September eingeschaltet)

Was hat das jetzt mit „Alltag“ zu tun? Nicht ganz so viel, weil ich natürlich nicht täglich zwei Dosen Fosters auf einem Boot leere … Allerdings sind Gänge zur Staten Island Ferry und zur High-Line das, was ich wirklich oft und sehr gerne hier mache.

2. Diverses

Nachdem ich nun thematisch eher unorganisiert vor mich hingeplappert habe, hier nun noch viel ungeordnetere Sachen, die mir aufgefallen sind und die mir gefallen und/oder mich amüsieren.
Ich war mit meinem Cousin während seines Besuchs am Rockaway Beach (den die Ramones in einem wirklich witzigen Surf-Rock-Song besingen). Nachdem wir zunächst von der Polizei im Ortsteil „Far Rockaway“ freundlich darauf hingewiesen wurden, dass wir im gefährlichsten Teil des Bezirks Queens seien (ich muss übrigens immer schmunzeln, wenn ich Bezirk sage: der Bezirk „Brooklyn“ allein hat fast eine Million mehr Einwohner als die „Stadt“ Hamburg; Queens fast eine halbe Million mehr) und wir, wenn wir nicht überfallen und/oder ermordet werden wollten doch eher rasch zurück zur U-Bahn gehen sollten, nahmen wir im zweiten Anlauf dann die richtige Bahn und kamen an einen unfassbar schönen Strand. Natürlich gibt es dort keine Palmen und ähnlichen Karibik-Quatsch, aber das Meer ist klasse, schön wild und wahnsinnig und dazu echt angenehm warm. Die Mütze auf dem unteren Foto habe ich nur auf um möglichst wenig Ohrenschmerzen zu bekommen.


(der Autor in einer albernen Pose)

Gestern war ich mit Rudi wieder am Strand und habe mir den ganzen Tag die Sonne auf den Pelz scheinen lassen. Ich finde es unfassbar, dass diese wunderbare Stadt neben allem anderen auch noch einen so tollen Strand hat. Wenn ich groß bin will ich hier leben – für immer.

Wenn man sich in Deutschland über den so genannten „Schilderwald“ mokiert, dann sollte man sich mal eine Weile hier aufhalten. Es gibt nämlich wirklich VIELE Schilder hier, teilweise allein fünf um die Einzelheiten der Parkerlaubnis auf dem Seitenstreifen zu regeln. Besonders amüsant und auch irgendwie niedlich fand ich folgende Warnung vor Enten direkt an der Westside:


(Enten in New York)

Generell gibt es viele Zeichen in dieser Stadt: Sollte man sich einmal unsicher sein, wo man sich befindet, so weisen dezente Hinweise an U-Bahnen und Gebäuden darauf hin, dass man in den USA ist:


(diese U-Bahn verkehrt in den USA)


(„Streetart“ …)

So richtig zufrieden bin ich mit diesem Beitrag nicht, aber ich weiß zur Zeit wirklich weder besonders Spannendes noch Lustiges zu berichten. Nächste Woche fängt mein Konzertmarathon hier an: „I‘ll be your Mirror-Festival“ (22.9.), „Two Gallants“ (24.9.), „Minus the Bear & Cursive“ (29.9.), „Texas is the Reason“ (10.10.). Spätestens danach könnte es lustig werden, wenn ich nämlich versuche über Musik zu schreiben. Meinen werten LeserInnen ein aufrichtes: „Entschuldigung“; es wird vielleicht wieder lustiger und spannender, vielleicht aber auch nicht. Kann auf jeden Fall gut sein, dass sich ein paar dafür interessieren, was ich hier so treibe, auch wenn das nicht besonders aufregend ist. Man kann auch nur so und so oft schreiben „I love New York“

Settling in

Beim Blick auf den Kalender stelle ich zweierlei fest: 1. ich habe weniger Termine auf die ich keine Lust habe, sondern viel mehr von denen – wie beispielsweise Fußball im McCarren Park – die mir wirklich Spaß machen; 2. ich bin schon über einen Monat hier.

Punkt 2 deutet mir an, dass es an der Zeit sein könnte darüber nachzudenken, ob ich nun „so richtig“ in New York „lebe“ oder was? Was es denn genau bedeuten soll „so richtig“ irgendwo zu leben, sei mal dahingestellt; ich stelle mir darunter etwa folgendes vor: sowas wie einen Freundeskreis, regelmäßige und unregelmäßige Freizeitbeschäftigungen, eine Form des sich-Auskennens, souveräner Umgang mit den öffentlichen Verkehrsmitteln sowie total untouristische und unaufgeregte Abende an einem Ort, den man Zuhause nennt. Ich bin mir nicht sicher, ob das ausreicht, für die Dramaturgie des Beitrags ist es allemal hilfreich.

Freundeskreis

Das geht schnell: ich kenne hier ein paar Leute, die ich wirklich cool finde, habe sehr nette und coole Arbeitskollegen und einen hervorragenden Mitbewohner. Die Intensität des Zusammenlebens, wie ich sie aus meinem Freundeskreis in Deutschland kenne, ergibt sich aber nicht, was wohl zum einen damit zusammenhängt, dass ich hier noch nicht lange lebe, aber auch sicherlich damit, dass die Leute hier tagsüber auch einen ganzen Sack voll Sachen zu tun haben.

Freizeit

Spricht man über Freizeit, so darf die unfreie Zeit nicht fehlen. Darum berichte ich zunächst mal von meinem Job, der mir wirklich sehr gut gefällt. Ich arbeite im Archiv des Leo Baeck Institute, welches an der 16. Straße zwischen der 5th Avenue (die kennt jedeR aus dem Fernsehen) und der 6th Avenue (die ist nicht unbedingt so bekannt, mit Recht) liegt. Wenn ich mit meinem Kollegen Florian Mittagessen gehe, dann „vergesse“ ich allzuoft WO ich eigentlich gerade bin, schaue mich nicht um, sondern denke an die leckeren Dinge, die ich mir gleich kaufen werde. Das ist aber nicht unbedingt klug, bietet sich mir doch täglich etwa so ein Ausblick:

(okay, zugegeben, das Foto ist nicht so besonders toll und auf dem Foto ist es auch nicht Mittag, sondern Abend, aber so ähnlich sieht das da echt aus, nur halt … heller)

Was man in einem Archiv so tut ist wahrscheinlich nicht jedem klar, daher: Das Leo Baeck Institute beschäftigt sich mit der Geschichte der deutschsprachigen Jüdinnen und Juden. In das Archiv werden Nachlässe von Menschen gegeben, die in diese Kategorie fallen. Dann geht mein Job (fast) los. So ein Nachlass ist ein mehr oder weniger (meistens weniger als wenig) geordnetes Ensemble verschiedenster Dokumente, wie Geburtsurkunden, Briefe und Postkarten, Fotos und Zeichnungen sowie Manuskripte und so weiter. Das Ziel ist es nun, dieses immer anders zusammengesetzte Konvolut von Hinterlassenschaften so zu ordnen, dass es von HistorikerInnen, AhnenforscherInnen und anderweitig Interessierten tatsächlich benutzt werden kann.

*irgendwie dauert das länger als gewünscht*

Ich erkläre jetzt den Rest meines Jobs, als würde ich neben dir, lieber Leser, liebe Leserin sitzen, wir hätten schon ein paar Bier getrunken und es müsste eher schnell gehen, damit wir dann über Musik oder anderes, dich eigentlich interessierendes Zeug reden könnten. Mein Job – und der anderer – ist es nun: Karton (= Nachlass) nehmen, alten Kram rausholen, Kram lesen, ausdenken, wie man das sortieren könnte, ungefähr so sortieren, aufschreiben, wie das sortiert ist und was in dem Karton thematisch so zu finden ist, fertig.

Ich habe bereits am ersten Tag in meiner Wohnung in Brooklyn „Soccer Brooklyn“ gegoogelt (schreibt man das so? Warum ist das eigentlich ein Wort? „Im Internet gesucht“ klingt aber nich so cool) und bin dabei auf die Seite meetup.com gestoßen. Die erleichtert mir meine Freizeitplanung enorm, denn auf Meetup kann man so genannte, ja, Meetups generieren, wie beispielsweise „Pick-Up Soccer Matches“, d.h. ungezwungenes kicken in einem Park mit Toren und allem Zip und Zap. Man könnte auch zu Weinproben, Datingsachen für Singles oder allem anderen (un)möglichen Zeug gehen, aber ich hab mich bisher nur noch bei ner Ultimate Frisbee Gruppe angemeldet.
Frisbee spiele ich hier generell auch recht viel. Jüngst habe ich im Central Park vor dieser unfassbaren Kulisse, die man auf dem Foto erahnen kann, mit Freunden, die zu Besuch waren, Frisbee gespielt.

(vielleicht sind andere Bilder für die Kulisse besser geeignet, aber auf dem hier sehe ich schon auch cool aus, UND DAS IST ES WAS ZÄHLT)

Einige Tage später war ich mit zwei Kollegen aus dem Archiv dort und wir haben spontan mit ein paar Amerikanern Ultimate Frisbee gespielt. Ich finde es zwar nicht verwunderlich, aber bemerkenswert, dass man beim Spielen völlig vergisst wo man ist – andererseits ist es sicherlich schwierig eine Frisbee gezielt zu werfen, wenn man die ganze Zeit denkt: „Geil, New York, ay“ (irgendwie verliere ich also meine Attitüde ein wenig).
Meine Freizeit verbringe ich also überwiegend mit Sport, kein Witz: ich spiele bis zu vier Mal pro Woche hier Fußball, was vermutlich auch damit zusammenhängt, dass ich hier 1. schon zu den besseren gehöre (was absolut ungewohnt und daher umso cooler ist), 2.durch meinen 9to5 Job unglaublich viel mehr Zeit als sonst habe und 3. mir bei dem vielen Spielen hier auffällt, wie gerne ich eigentlich Fußball spiele.

Neben dem Fußball gehe ich hin und wieder mal was trinken, allerdings nicht so häufig, wie ich das gewohnt bin; vielleicht ist es aber auch ganz gut sich umzugewöhnen … das ginge natürlich irgendwie auch auf Kosten der Coolness … da muss man drüber nachdenken. Selbstverständlich nutze ich die Gelegenheit hier Konzerte zu sehen. Mittwoch habe ich mir Sebadoh angeschaut (wer die nicht kennt: googelt (!) die mal). In den kommenden Wochen und Monaten sehe ich noch ganz unfassbare Bands und Festivals (ich glaube ich habe schon mehr als tüchtig viel Geld für Tickets ausgegeben, aber zu den einzelnen Konzerten vielleicht ein anderes Mal mehr). Abgesehen davon, dass das Konzert von Sebadoh großartig war, kann ich nur jeder und jedem empfehlen im Bowery Ballroom einen Skianzug oder so zu tragen, die Klimaanlage ist auf Arktis-vor-Klimawandel gestellt. Ich habe noch nie in meinem Leben dermaßen bei einem Konzert (!!!) gefroren; bei genauer Überlegung habe ich überhaupt noch nie bei einem Konzert gefroren.

sich-Auskennen

Das geht jetzt wiederum verhältnismäßig schnell: nachdem ich an anderer Stelle darüber berichtet habe, dass es ganz gut funktioniert entgegen meiner Intuition zu handeln, muss ich leider mitteilen, dass das mitlerweile nicht mehr so prima klappt. Da ich jetzt „weiß“, dass ich daran denken soll, wo ich wahrscheinlich lang gehen sollte, um dann genau den anderen Weg zu gehen, ist das alles ein Riesenschlamassel: ich weiß, dass ich entgegen dem, was ich glaube zu wissen handeln sollte, nur wo führt das hin … Juliane Werding („Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst“) kommt einem in den Sinn.
Zumindest schlage ich mich was Wegbeschreibungen angeht recht wacker. Nachdem ich einst in Paris mit „verblüffender“ Regelmäßigkeit in die falsche Richtung geschickt wurde, halte ich mich hier an die Devise, dass ich nur dann was sage, wenn ich es auch wirklich weiß. Nichtsdestotrotz hätte ich unlängst eine Frau auf Krücken fast sieben Blocks in die falsche Richtung geschickt. Zum Glück hatte ich mein Händi mit meiner ganz speziellen Navigationsfunktion dabei und konnte sie gerade noch in die richtige Richtung schicken.
Meine Navigationsfunktion geht so: da ich sicherlich keine $ 50 für Internetfähigkeitsquatsch bezahle, suche ich mir die Wege, die ich zu einem bestimmten Ort zu gehen habe am Rechner mit google.maps raus (das funktioniert übrigens doch gar nicht soo schlecht, ich war anfangs nur nicht klug genug dafür) und fotografiere das dann ab. Manchmal sieht das dann so aus, als hätte ich wirklich google.maps auf meinem Händi, meist aber eher so:

Und der Weg, nach dem die Dame gefragt hatte, war zum Glück auf einer dieser Fotografien zu nachzuvollziehen.

souveräner Umgang mit öffentlichen Verkehrsmitteln

Mittlerweile sitze ich nicht mehr mit furchtverzerrtem Gesicht in der U-Bahn, zähle Stationen und springe ständig auf, um auf der Karte zu überprüfen, wo genau ich mich eigentlich befinde. Es gibt in New York zwei U-Bahnwagen: alte, ohne elektronische Ansage und neue, mit elektronischer Ansage. Einfacher Unterschied, große Wirkung: Während der Tourist in den alten Wagen voller Angst und Unsicherheit sitzt und versucht aus dem blechernen Sprachquark Worte zu filtern, schaut er in den neuen Wagen souverän irgendwohin, denn er weiß ja, dass die richtige Station schon verständlich angesagt wird. Ich sage nur so viel: Ich gehe dermaßen souverän mit den U-Bahnen um, dass ich auch die alten Wagen nicht mehr fürchte. Das Bussystem hingegen kapiere ich nicht und will nicht länger davon sprechen.
Beim lässigen irgendwohin-schauen in der U-Bahn fällt einem allerlei Spökes auf, vor allem Werbung. Der absolute Superheld vieler Leute in New York ist Dr. Zizmor, hier ein von Google geklautes Bild, da ich mich nicht traue das in der U-Bahn zu fotografieren.

Dr. Zizmor ist mindestens so dubios, wie es das Bild erahnen lässt. Mindestens zwei Mal soll er die amerikanischen Krankenversicherungen übers Ohr gehauen haben: einmal hat er eine Operation für $ 100.000 abgerechnet, die gar nicht stattfand; in einem anderen Fall hat er mehrere Schönheitsoperationen als medizinisch notwendige Eingriffe deklariert. Das ist mir alles egal, ich finde die Werbung einfach nur grotesk. Das ist wie „WordArt“ (gibt es das noch? Bei Word 95 hab ich das mal gesehen glaube ich) für einen Flyer zu benutzen. Neben Dr. Z feiere ich ganz persönlich Keano. Keano ist einer von vielen spirituellen Typen, die New York ihre Dienste anbieten. Bisher habe ich den Flyer von Keano noch auf jeder U-Bahnfahrt gefunden und ich frage mich, ob er die selber verteilt, ob er seinen „Guy“ dafür hat oder ob er das ganze irgendwie spirituell regelt. Ich fürchte mich vor dem Tag ohne Keano-Flyer.

Keano ist nicht nur ein „powerful master in [sic?] love“, er findet Bindestriche auch total gut.

total untouristische und unaufgeregte Abende an einem Ort, den man Zuhause nennt

Gestern (Freitag, 25.8.2012) war es so weit: ich war an einem Tag am Wochenende die ganze Zeit allein zuhause, habe mir amerikanisches Schlickerzeug (Ben&Jerrys, Doritos) gegönnt und Baseball geguckt. Das liegt zum einen an Punkt eins (kleiner Freundeskreis), zum anderen aber auch daran, dass ich mich in meiner Wohnung echt wohl fühle. Die Wohnung ist sicherlich dem am nächsten, wie ich mir wohnen so vorstelle, wenn ich groß bin. Zwei Fotos (Wohnzimmer und mein Schlafzimmer) mögen genügen:

Wohnzimmer

Schlafzimmer

Außerdem wohne ich zum ersten Mal in meinem Leben mit einer Katze zusammen … ne, das klingt komisch. Also Rudi hat eine Katze (von meiner angeblichen Allergie merke ich bisher übrigens eher nix) und die flitzt hier in der Wohnung rum. Uns verbindet eine sehr enge Hassliebe. Nathan ist ein sehr aufgewecktes Kerlchen (= schrecklich laut krakelender, Dinge kratzender, 13 jähriger wahnsinniger Kater), der in letzter Zeit morgens gegen 5 an meiner Tür kratzt und dabei sehr laut katzenmäßig rumbölkt. Das führt dann dazu, dass ich ihn anschnautze, so tue, als würde ich ihm was zu essen geben und ihn dann im Wohnzimmer einsperre, damit ich bis halb acht weiterschlafen kann. Das klingt gemein, ist es auch, mir aber egal, denn es ist nicht „meine“ Katze und wenn der feine Herr sich wieder benimmt, dann darf er gerne auch außerhalb des Wohnzimmers herumturnen. Irgendwie is er aber schon ziemlich niedlich, da kann man leider nichts machen und ich hab dich gern, Nate. Leider kann man ihn bei seinen shenanigans (ein absolutes Super-Wort, das viel dringender als googeln in den Duden sollte) nicht gut fotografieren, aber hier mal ein Eindruck.

Settled in?

Das ist ein wirklich sehr langer Beitrag geworden, aber ich wollte gern die Facetten meines ersten Monats hier aufzeigen. Fazit: Ich denke, dass man nach einem Monat unmöglich einen solch großen (und wunderbaren) Freundeskreis haben kann, wie ich ihn in Deutschland habe. Ich bin der Meinung, dass die ersten Ausfallerscheinungen meines „ich bin in New York“-Ohrwurms genau wie die gestiegene Souveränität im Umgang mit der U-Bahn (Busse bleiben mir für immer egal, da laufe ich lieber) und die hin und wieder erfolgreiche Orientierung andeuten, dass ich mich hier ein wenig eingelebt habe. Andererseits kann es sicher nicht das Ziel sein hier alles selbstverständlich und schulterzuckend hinzunehmen, dafür gibt es hier viel zu viel zu entdecken … packen wir’s an

Walks in two Parks

Heute geht es ins Grüne, d.h. in zwei der New Yorker Parks, genauer gesagt zwei Parks in Manhattan, nämlich den Central Park und den High Line Park.

Central Park

Fangen wir mit einem der wohl bekanntesten Parks der Welt an, dem Central Park in Uptown Manhattan. Mit fast vier Quadratkilometern nimmt er etwa 6% der Fläche Manhattans ein; das ist eine ganze Menge, wenn man sich überlegt wie unfassbar teuer Bauland in dieser Stadt ist. Auch diese Zahlen könnte ich jetzt bei Wikipedia nachgucken und dann hier als meine Erkenntnisse verkaufen, aber ich mach das mal nicht. Der Central Park bietet fast alles, was man für einen netten Tag draußen so gebrauchen kann: wunderbare Blicke auf die umstehenden Hochhäuserzeilen, wie auf diesem Foto, welches die Perspektive über das Reservoir auf die Stadt eröffnet.

Es gibt aber auch kleine Wege, die durch größere Waldstücke führen. Es wäre sehr schön, wenn ich behaupten könnte, man vergesse dabei, dass man in New York ist; leider stimmt das so nicht ganz, denn ich denke immerzu: „Geil, New York, ay“ (das ist kein Witz, dieser Text läuft als Dauerschleife).

Mitten im Park gibt es den „Great Lawn“ auf welchem man die Einheimischen bei Softballspielen beobachten kann. Das ist zwar ähnlich langatmig wie professionelles Baseball, aber ich finde Sport ja bekanntlich ganz gut.

Das zweitcoolste an diesem Tag im Central Park waren die „Central Park Dance Skaters“, d.s. Menschen allen Alters und Geschlechts, die sich hier im Park treffen, laute Soul- und Disco-Musik hören und dabei auf ihren Rollschuhen oder Inlineskates mehr oder weniger gelungene Tanzeinlagen bringen.

Die Frage, was wohl das „erstcoolste“ gewesen sein mag ist berechtigt! Nun, hier ist es:

Na, wer hat’s erkannt? Es ist natürlich der Felsen über den Bruce Willis in „Stirb Langsam: Jetzt erst recht“ (blöder Titel, großartiger Film) mit einem konfiszierten Taxi springt. Der Film ist übrigens allein deshalb schon großartig, weil Willis direkt im Unterhemd beginnt und daher keine fadenscheinigen Situationen herbeikonstruiert werden müssen, in denen er sich für das Unterhemd und gegen Pullover oder ähnliches entscheiden darf.

High Line Park

Der High Line Park ist mein – ACHTUNG – absolutes Highlight bisher. Auf einer ehemaligen Bahnstrecke, über welche tote Tiere in den Meatpacking District gekarrt wurden (nachdem der ebenerdige Transport dann doch zuviele menschliche Opfer gefordert hatte), findet sich über eine sehr lange Strecke (deren Distanz ich jetzt nicht nachgooglen will) der coolste Park New Yorks. Man kann hier weder Frisbee spielen, noch anderen sportlichen Tätigkeiten nachgehen, aber man kann sehr weit auf Höhe der fünften und sechsten Stockwerke der umliegenden Häuser latschen und das ist ja auch schon mal was.

Links und rechts am Wegesrand sind Sträucher, Gräser und Büsche; der Weg ist recht schmal. An einem der beiden Eingänge gibt es eine Art Wasserspielplatz, an dem man entweder den Kindern bei ihrem Schabernack zuschauen oder selber Barfuß rumlatschen kann um sich abzukühlen. Leider habe ich kein Foto davon, da selbst ich zu sehr mit Schabernack und planschen beschäftigt war.

Etwa auf der Mitte des Weges liegt der wunderbare Zoo, in welchem Löwen, Giraffen und allerlei andere Tiere fröhlich koexistieren und das Auge erfreuen.

Der High Line Park wird in Zukunft auch noch erweitert. Die ehrenamtlich Beschäftigten sind derzeit eifrig damit beschäftigt den nächsten Teil – ACHTUNG – gangbar zu machen.

andere

Natürlich war ich mittlerweile auch in anderen Parks, aber weniger aus touristischem Interesse, sondern eher zum Zwecke der Erholung von meinem ach-so-anstrengenden Leben hier. Der Prospect Park in Brooklyn ist von den gleichen Leuten entworfen worden, die auch den Central Park verantwortet haben, und man sagt, sie hätten ersteren besser gefunden. Das ist mir zwar egal, spricht aber schon dafür, dass der Park sich lohnt. Ich war dort anlässlich des „Celebrate Brooklyn“ Festivals, auf welchem zahlreiche gratis Konzerte angeboten werden. Leider habe ich Wilco verpasst, weil ich dummerweise einen Tag zu spät davon erfahren habe.

Auch der Hudson River Park ist wirklich sehr cool. Unter der Washington Bridge hindurch geht es direkt an den Hudson, man blickt auf New Jersey (wenn man will) und kann sich von der frischen Luft verwöhnen lassen, denn New York ist schon sehr stickig. Ich war dort mit Kollegen aus dem Institut zu einem Picknick. Man kann an der Stelle an der wir waren sogar ins Wasser gehen und schwimmen, allerdings lassen der Bräunegrad des Wassers und der ein oder andere rückenschwimmende Fisch es wenig ratsam erscheinen. Hier nun noch ein letztes Foto, dieses Mal von mir im Hudson River Park mit meinen Kollegen und meinen doch sehr kurzen Haaren (insgeheim überlege ich mir ne richtige Hipster Frisur machen zu lassen … hier kennt mich ja keiner und ich könnte ne völlig neue coole Person werden … naja, mal sehen).

Umzug, Einzug, da Hood

Zwar wollte ich ursprünglich erst am Wochenende was schreiben, aber da ich nun gutgelaunt aus dem Archiv zurückgekommen bin, bei der schwülen Hitze hier auch nicht direkt Hunger aufkommt und ich erst um 20:00 in Greenpoint zu einem Konzert gehen werde, habe ich nun doch ein wenig Zeit.
Zunächst möcht ich sagen, dass ich mich sehr über die ganzen Kommentare und „Likes“ bei Faceclub und hier gefreut habe, mehr davon, ihr fehlt mir nämlich auch alle. Genug gejammert, so schlimm isses hier ja nun auch wieder nicht, ganz im Gegenteil! Wenn ich die Gelegenheit bekommen sollte hier zu bleiben, so würde es mir mehr als schwer fallen wegzuziehen! Aber fangen wir von vorne an:

Umzug, Einzug, da Hood:

Mit gepacktem Koffer und Rucksack zog ich am 31.7. aus um die gut 1 1/2 stündige U-Bahn Fahrt von der Bronx nach Brooklyn anzutreten. Dort durfte ich dann die ästhetisch mit Abstand ansprechendste Wohnung meiner bisherigen Wohnlaufbahn beziehen. Ich teile mir mit Rudi und Nathan (einem wahnsinnigen Kater) eineinhalb Stockwerke im Herzen der Neighbourhood Boerum Hill. Jay-Z’s Basketball-Mannschaft, die Brooklyn Nets bauen in unmittelbarer Nachbarschaft ihre neue Arena; meine Praktikumsstelle (s.u.) liegt nur neun Haltestellen mit dem F-Train entfernt. Zwar nehme ich gerne noch die falschen Ausgänge, laufe in die falsche Richtung und drehe dann unvermittelt um, aber vom Ding her prinzipiell kenne ich mich schon ein bißchen aus (gestern konnte ich zwei Fragen nach dem Weg souverän beantworten). Die Sache mit der Orientierung löse ich bisher dergestalt, dass ich einfach immer entgegen meiner Intuition handle und meist haut das dann sehr gut hin.
Mit meinem Mitbewohner, Rudi, komme ich sehr gut klar, Spitzentyp (Rudi, wenn du das liest, dann wink mal), der mich zum Einstand mit gegrillten Würstchen und Bier auf unserem etwa 30qm Balkon verwöhnte. Von dem Supermarkt, bei dem wir in der Regel einkaufen (er hat nämlich auch ein Auto), kann man die Freiheitsstatue sehen; die turnt mich zwar nicht so an, aber abgefahren ist das schon.

Immerhin gabs nun ein bißchen was zu lesen; mit Spannung darf der Eintrag vom kommenden Wochenende erwartet werden, in dem ich ein wenig über die bisher von mir besuchten Parks berichten werde … einstweilen: schöss

erste Erfahrungen

+++ Achtung! ironischer Auftakt: +++

So die ersten dreieinhalb Tage sind rum, Zeit für ein Fazit (wenn sich tatsächlich noch Änderungen ergeben sollten, so würde mich das wirklich sehr überraschen), denn NY kann man durchaus in drei Tagen hinreichend kennenlernen.

+++ Achtung! Ende der Ironie +++

Ich habe den Eindruck, dass ich keinen wirklich kohärenten Text produzieren kann, der meine Eindrücke auch nur annähernd zusammenfasst. Ich denke der folgende eher eklektische Aufguss meiner Erfahrungen, trifft meinen derzeitigen state of mind auch sehr viel besser als ein elaborierter und bestenfalls auch noch witziger Text. Also: im Folgenden eher Gestammeltes und wenig wirklich Lustiges (dafür war ja der Opener total lustig).

1) Fläche:

a) Gestern bin ich von meiner derzeitigen Bleibe zu meinem zukünftigen Zuhause mit der U-Bahn gefahren und war gute 1 1/2 Stunden unterwegs (liebe Berliner: von Friedrichshain nach Dahlem sind es auch gut 1 1/2 Stunden, ich weiß, allerdings habe ich nur etwa 1/4 der Gesamtfläche New Yorks durchquert).

b) Vorgestern war ich mit der netten Freundin, die mir derzeit Unterkunft gewährt, und ihren Kollegen in einem Restaurant; laut google.maps lag das Restaurant in der Nähe der U-Bahn-Station 5th Av. / 53rd St.; ich musste dann allerdings doch geschlagene 40 Minuten latschen um von der Station zum Restaurant zu kommen. Schlussfolgerung: 1. google.maps ist für NY nur bedingt brauchbar, 2. 20 Blocks sind sehr viel weiter als es klingt.

2) Höhe: Diese ganzen tollen Häuser, die man in allerlei Serien mit Kameraschwenks und Hubschrauberanflügen und so sieht sind zwar total abgefahren von der Ferne, wenn man allerdings recht nah dran ist, dann werfen sie nur sehr sehr viel Schatten und sind unglaublich schwer zu fotografieren. Hier ein Beispiel:

3) Spocht: Das Baseball-Team der New York Yankees kennen wohl ziemlich viele Leute (deren Logo prangt auf den Mützen zahlreicher HipHop-Clowns und Party-Rapper); das kommt nicht von ungefähr, sind sie doch sowas wie der FC Bayern des Baseball (nur mit Tradition …). Die New York Mets, das andere Major-League-Team New Yorks, kennen wohl eher weniger Leute. Auch das kommt nicht von ungefähr, sind sie doch ziemlich schlecht. So haben sie in den Top 50 der besten Hitter der MLB ganz genau: Keinen Spieler (immerhin haben sie den 14. besten Pitcher). Dennoch war es mir eine große Freude, als ich die Gelegenheit bekam eine übriggebliebene Karte für die Mets gegen die Washington Patriots (ehemals Montreal Expos … das finde ich übrigens ziemlich lustig) zu nutzen. Das Spiel war schlecht, die Mets noch schlechter und die Patriots haben – glaube ich – mit 5 zu 2 runs gewonnen.
Das Stadion fand ich hingegen überaus erstaunlich (siehe Fotos). Dadurch, dass das Baseball-Feld die Form eines Diamanten hat, wirkt das Stadion als solches mehr als asymmetrisch, was mir als geneigtem Fußball-Zuschauer merkwürdig vorkam. Ich bin sehr gespannt, wie viel Stimmung während des Fußball-Länderspiels Chile vs. Ecuador (ich habe KEINE AHNUNG, warum die grad in den USA ein Spiel austragen) aufkommen könnte. Eventül gucke ich mir das Spiel sogar an.
Des Weiteren wurde ich bei dem Spiel erstmals Zeuge der amerikanischen Art und Weise des Sportkonsums, und DAS fand ich echt merkwürdig. Es wurde nach fast jedem Pitch Musik gespielt, um mich herum wurde im Sitzen oder Stehen herumgetanzt, bei Wechseln wurden allerlei dämliche Quizzes veranstaltet und es wurde mit T-Shirt-Kanonen (für die Simpsons-Fans: das Ding mit dem Maud Flanders getötet wurde) ins Publikum geballert. Als die Mets aus Versehen beim Stande von 5-1 alle drei Bases besetzt hatten (weil der Nationals Pitcher unglaubliche 8 Balls in Folge geworfen hatte und ein Mets-Batter einen Pitch ganz gut traf), fiel der Jugendgruppe auf unserer Tribüne nichts besseres ein als ne La-Ola-Welle zu starten … wäre ich so richtig Fan der Mets gewesen (ich habe wirklich n bißchen mitgefiebert), wäre ich wahrscheinlich ziemlich doll ausgerastet …
Der Rest in Kürze: Bier – teuer; Burger – mies; Sonne – doll (Sonnenbrand); noch mal Baseball – auf jeden Fall, aber dann die Yankees!

4) Freundlichkeit: Ich bleibe dabei, mir ist es sehr viel lieber wenn Menschen oberflächlich freundlich zu mir sind, als wenn sie sich mir gegenüber ganz aufrichtig unfreundlich verhalten. Wen immer man fragt (nur nicht gerade in Manhattan, weil da fast nur Touristen wie ich den ganzen Tag lang rumlaufen): man erhält immer sehr freundlich Auskunft. Man muss ja nicht gleich eine tiefe Freundschaft über der Frage nach dem Weg beginnen …

+++ Achtung! ironischer Schluss

5) Anpassung: Gestern auf dem Weg zur Brooklyn Bridge wurde ich gefragt, welches Gebäude denn dies zur Linken sei; da ich mich vorher verlaufen hatte, wusste ich das sogar; ich denke, das heißt, dass ich schon so ein richtiger New Yorker geworden bin und auch als solcher erkannt werde. Das zeigte sich auf dem Rückweg auch wieder, als ich nämlich sehr zielstrebig in den falschen Bus einstieg und in einem heftigen Gewitter die Straßenseite wechseln durfte.