Sturmfrei – the Aftermath

30.10.2012: Katastrophentourismus und Lagerkoller

Für die, die mich kennen, dürfte es nicht sonderlich verwunderlich sein, dass ich ohne Fernseher und Internet nur bedingt lange durchhalte ohne mich heftig zu langweilen. Die UBahnen fahren derzeit nicht und werden bestimmt noch einige Tage nicht fahren. Es ist ehrlich gesagt unfassbar was hier noch los ist. Die meisten Berichte in den deutschen Medien schienen sich, soweit ich das hier sehen kann, auf die sichtbaren Zerstörungen und den Wahlkampf zu konzentrieren. In Nebensätzen oder am Rande wird erwähnt, dass die UBahn in New York ausgefallen ist, aber was das wirklich bedeutet kann man sich kaum vorstellen.


10 mal: Copy and Paste

Es geht NICHTS und wenn, dann nur sehr langsam. Täglich nutzen über 5 Millionen Menschen hier die UBahn: um zur Arbeit zu kommen, um von der Arbeit zu kommen, um einkaufen zu gehen, um Freunde zu besuchen usw. Das geht jetzt alles nur noch per pedes oder mit dem Fahrrad. Busse fahren morgen erst wieder.

Aus Langeweile und natürlich auch einem gerüttelt Maß Neugier bin ich gestern von uns aus bis zum Battery Park in Lower Manhattan gelatscht. Während in unserem Teil Brooklyns im Grunde alles in Ordnung ist (mit Ausnahme des Baumes, der sich immer noch an unserem Haus anlehnt), sieht die Welt in Downtown Manhattan echt ein bißchen anders aus.


In Brooklyn kann man auf dem Bürgersteig Wimmelbilder machen

Der Strom in ganz Lower Manhattan ist AUS! Die Skyline, die mit ihren beeindruckenden Fassaden bei Nacht des Touristen Auge mit viel Licht erfreut, ist zappenduster.


keiner Zuhause

An einem Dienstagnachmittag sind die Straßen nicht wie ausgestorben, aber fast alles ist geschlossen. Es ist ein ganz merkwürdiges Gefühl durch diesen unglaublich lebhaften Teil New Yorks zu laufen und alle zentralen Punkte des Konsumkapitalismus sind dunkel und haben geschlossen. Lower Manhattan stinkt nach Öl und Dreck. Man kann komplett über Zebrastreifen – bei genügendem Anlauf – schlittern.


Ölig


Ich glaube das hier konnte man bei Tony Hawk 1 skaten …

31.10.2012: Noch lange nicht Back to Normal

Es ist vollbracht! Ich sitze mit meinem Hipster-Notebook in einem hipsterigen Cafe und schreibe an meinem Blog! Es läuft mittelcoole Musik und ich genieße einen gar nicht so schlechten, dafür aber auch sehr teuren Kaffee. Eine Zusammenfassung meiner Erlebnisse wird es dann wohl aus Deutschland erst geben. Ich werde in meiner Wohnung bis zu meiner Abreise kein TV und kein Internet mehr haben. Erschwerend kommt hinzu, dass ich hier auch nicht mehr arbeiten werde. Das Center for Jewish History hat ziemlichen Schaden genommen und wird mindestens bis zum 4.11. geschlossen bleiben. Die UBahnen sind auf unbestimmte Zeit geschlossen, aber dafür fahren die Busse wieder.


Die Busse fahren wieder

Die Straßen sind unglaublich belebt und der Verkehr stockt überall. Die meisten Leute werden heute wieder zur Arbeit zurückerwartet und jetzt stelle man sich vor, dass fünf Millionen Menschen auf Busse, PrivatPKW und Taxen angewiesen sind … New York liegt infrastrukturell sicherlich noch eine Woche oder länger am Boden. Am Sonntag soll eigentlich der Marathon stattfinden. Es ist allerdings unklar, wie die Millionen von Menschen von A nach B kommen sollen und so weiter.

Es gibt nicht mehr viel zu sagen: Das ist wirklich irre hier, nichts funktioniert so, wie man es gewohnt ist, aber irgendwie geht es doch. Eins noch: die 1200 Nationalgardisten, die im Staate New York aufgerufen wurden, sind selbstverständlich nicht dazu da um vor Plünderungen zu verhüten (wie Bild.de berichtete; mal abgesehen davon, dass New York bei denen ein recht dehnbarer Begriff ist. Der Großteil der Bilder stammt aus New Jersey, wo es WIRKLICH schlimm ist), sondern um Leute zu evakuieren und bei den Aufräumarbeiten zu helfen.


4 Antworten auf „Sturmfrei – the Aftermath“


  1. 1 Malte 31. Oktober 2012 um 20:24 Uhr

    Oha, Junge, zieh die dicken Gummistiefel an!

    Das mit der Bahn finde ich allerdings gar nicht so beeindruckend: Das kann die Deutsche Bahn hier jeden Tag viel krasser…

    Halte durch, ansonsten gibt´s CARE-Pakete!

  2. 2 Annka 01. November 2012 um 7:55 Uhr

    Ohje, wie kommst du denn zum flughafen?

    Ich bin mittlerweile nur noch froh, dass ich nach hause geflogen bin… Halt die ohren trocken und gute heimreise :-)

  3. 3 Ölaf 01. November 2012 um 15:23 Uhr

    Schön! Auch in Oldenburg fahren die Busse wieder? (erwischt!)

  4. 4 Administrator 01. November 2012 um 18:42 Uhr

    @annka: also der a-train nach jfk scheint wieder zu fahren und rudi hat zur not auch n auto. das wird also schon

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