Häppchenweise genießbar

Der erste und bisher einzige Kommetator zu vorangegangenem Beitrag bemerkte, dass ich kürzere Episoden schreiben solle. Dazu habe ich aber keine Lust und außerdem gibt es auch noch wirklich viel zu berichten. Zum Glück hängen aber die folgenden Beiträge nicht unbedingt miteinander zusammen, wenn man davon absieht, dass sie mit mir und meinem Aufenthalt in New York zu tun haben. Man darf sich also getrost einen Teil in der Halbzeitpause des kommenden Bundesligaspieltags durchlesen und dann später wieder einsteigen.
Die Tatsache, dass ich erst einen Kommentar zu vorigem Beitrag habe betrübt mich ein wenig, da ich gehofft hatte eine große Raterei loszutreten, um welches Buch es sich denn wohl gehandelt haben könnte, das die beiden schottischen Freunde erraten haben ohne auch nur ein Wort darüber zu hören. Also: Ante Up, ich verlose was unter allen richtigen Antworten.

Fahrradfahrn

Da ich im September und Oktober insgesamt 9 freie Arbeitstage hatte (es scheint als seien alle jüdischen Feiertage auf diesen Zeitraum verteilt), war es mir vergönnt häufiger Montags und Dienstags a) auszuschlafen und b) Sachen zu machen. Neben meiner Arbeit an einem Aufsatz …. blablabla … habe ich auch eine wunderbare Fahrradtour durch das angrenzende Stadtviertel Red Hook unternommen. Rudi war so nett mir sein Fahrrad auszuleihen. Wohl gefühlt habe ich mich auf der Mühle nicht wirklich: einer der beiden Bremshebel ist mit Klebeband zwar gutgemeint am Fahrrad befestigt, bremsen tun die das Ding aber nicht wirklich.


Da drin hätte ich das Ross gerne für immer geparkt

Red Hook war ursprünglich von irgendwelchen Holländern besiedelt, hat sich aber im 19. und 20. Jahrhundert zu einem eher industriell geprägten Stadtteil entwickelt. Obwohl das LIFE Magazine 1990 den Stadteil als „the crack capital of America“ bezeichnet hat, finde ich es da im Grunde sehr, sehr schön. Vor allem in der Nähe des IKEA-Plaza (ja, gibts hier auch den Laden) zeigt Red Hook seine starken Seiten. Zahlreiche alte Lagerhäuser aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert verdichten sich hier zu einem Freilichtmuseum allererster Güte. Das einzig wirklich blöde an einer Fahrradtour durch diese Gegend ist das Kopfsteinpflaster, dass Fahrradfahren für keinen Teil meines Körpers sehr angenehm gemacht hat.


Red Hook. PS: Auf der anderen Seite der Fassade ist der Supermarkt meines Vertauens

So I‘m out pickin‘ pockets at the Atlantic Antic // And nobody wants to hear you cause your rhymes are so frantic (Beastie Boys: Shadrach)

Taschendiebstahl wäre auf der Atlantic Antic, einem der sicherlich größten Straßenfeste New Yorks, bestimmt kein Problem gewesen. 2-3 Kilometer der Atlantic Avenue, neben der Flatbush Avenue, eine der Hauptverkehrsadern Brooklyns, waren für einen ganzen Sonntag gesperrt. Rudi und seine Kumpels nahmen mich gegen Mittag mit zu diesem riesigen Straßenfest und jeder hatte mindestens eine Geschichte parat, wie unangenehm es ist, wenn man während der „Antic“ mit dem Auto fahren muss. Mussten wir aber zum Glück nicht und hätten wir sicherlich auch nach zwei Stunden dort nicht mehr gedurft (Bier!).
Bei herrlichem Sonnenschein galt es sich zwischen unzähligen Essensständen, Musikbühnen und Wohltätigkeitsorganisationen sowie einer Familienpackung voller Menschen (Menschenpackung voller Familien?) durchzuwieseln.


Menschenmassen zum durchwieseln

Kurz bevor wir eine Band bestehend aus Bekannten von Rudi und seinen Kumpels sehen konnten fing es an zu regnen. Das war aber gar nicht so schlimm, da die Bühne direkt vor einer sehr netten Bar war (in der ich schon zwei mal zuvor war) und wir dort mit Biertrinken und schnacken weitermachen konnten. Die Band, die dann mit einer Stunde Verzögerung begann, war super. Alle sieben BandmitgliederInnen hatte ich kurz vorher noch kennengelernt und ich kann mit Bestimmtheit sagen: das waren Amis. Auf der Bühne aber, welch wundersame Verwandlung, stand dann eine französische Popband. Der Sänger machte die albernsten Ansagen in wirklich gutem Französisch und übersetzte sich selber immer direkt mit schwerem französischen Akzent. Mein persönliches Highlight war, als er feststellte, dass la douche im französischen etwas ganz anderes als im englischen Sprachgebrauch bedeute.


Toll fand ich die alle

Den Rest der Antik verbrachten wir mit schlendern, Bier trinken (ACHJAAA! Auf der Antic ist es erlaubt öffentlich Bier zu trinken, weiß der Geier warum) und Sachen angucken. Neben den ‚Wings of Terror‘, Durchschnittsalter sicherlich 58, die Rock n‘Roll aus dem England der 1960er und 1970er spielten, gefiel mir eine Dreierkombo sehr gut, die im Grunde ne Art Tribute-Band für die Foo Fighters zu sein schien – zumindest haben sie nur FF Songs gespielt und es könnte ja durchaus schlimmer kommen.


Es hätte schlimmer kommen können; viele Fans gabs trotzdem nicht

Geburtstag

Am 9.10.2012 war es dann so weit: nach alter Sitte hatte ich beschlossen in meinen Geburtstag ‚reinzufeiern‘, wie man so schön sagt. Ich hatte die Leute, die ich bisher kennengelernt hatte, eingeladen und die haben dann auch noch welche mitgebracht. Außerdem waren mein Cousin und seine Frau zu Besuch. Somit waren wir ganze acht Leute, inklusive mir. Es war sehr ungewohnt meinen Geburtstag nicht auf einem rauschenden Fest mit ganz vielen Leuten zu verbringen, um dann kurz vor Mitternacht aus Gründen ins Bett zu müssen. Der Abend war ganz wunderbar, der Tag danach leider umso weniger. Rudi und ich hatten entschieden, dass mein Geburtstag im Prinzip ja schon um 6:00pm New York-Zeit in Deutschland begonnen hatte (you do the math) und ich im Prinzip in allen anderen Zeitzonen bis New York ja auch schon mal gewesen war. Daher stießen wir jede Stunde auf meinen Geburtstag an, es gab ein regelrechtes High-Five-Gewitter und von Stunde zu Stunde wurde es ausgelassener. Alles in allem ein runder Geburtstag (auch der Zahl der Jahre wegen, die ich seitdem zähle).


Party hard

Empire State Building

Bisher hatte ich immer irgendwelche pseudo-coolen Gründe vorgeschoben, nicht aus Empire State Building zu gehen („Ich bin doch kein Touri, ay“; „Pfff, na und, dann sieht man das, was man sowieso schon kennt“; „Ich betrete kein Gebäude, auf dem ein Affenfettsack gesessen hat“, okay, den Grund find ich immer noch witzig, man stelle sich vor, dies sei tatsächlich eine Maxime). Im Grunde war es aber bisher an meinem Unwillen gescheitert tüchtig viel Geld dafür auszugeben. Mein lieber Cousin und seine ebenso liebe Frau hatten aber entschieden mir den Besuch zum Geburtstag zu schenken: VIELEN DANK! Das war ein großartiges Erlebnis, wie überhaupt der gesamte Tag. Zwar war ich noch ziemlich angeschossen von dem am Abend zuvor besuchten Konzert, aber es wurde ein wunderbarer Tag. Zunächst das im Beaux Art Stil erbaute Grand Central Terminal, dann das im Art Deco Stil gestaltete Chrysler Building und dann das im gleichen Stil gebaute Empire State Buidling, von dem aus man mein absolutes Lieblingsgebäude, bereits genanntes Chrysler Building sehr gut sehen konnte. Mal ganz abgesehen von der Architektur: Der Blick vom Empire State Building ist bombastisch.


ein bombastischer Blick

Die Aussichtsplattform war, selbstverständlich, randvoll mit TouristInnen, die sich gegenseitig die wildesten Sachen über New York zu erzählen wussten. Für mich war es ganz wunderbar festzustellen, dass ich mich hier mittlerweile wirklich sehr gut auskenne, die Bronx mit einem müden Lächeln von Queens und Brooklyn unterscheiden kann und den Blick auf New Jersey nur deshalb zu würdigen wusste, mal vorher noch die Westside sehen kann. Beeindruckend fand ich ferner, dass man erst mit der großen Distanz zwischen dem fast fertigen World Trade Center I und dem Empire State Building den enormen Höhenunterschied des ersteren gegenüber allen anderen Hochhäusern von Lower Manhattan erkennen konnte.


Hier kann man einiges sehen, Schachbrettstruktur usw.; man beachte aber v.a. den enormen Höhenunterschied

Verrazano Narrows Bridge und Staten Island

Das hier noch, dann habe ich erst mal wieder alles gesagt. Letztes Wochenende sind Rudi und ich mit seinem wundervollen Auto nach Staten Island gefahren. Richtig, das Staten Island zu dem ich häufiger mit der Fähre gefahren bin. Mit dem Auto kann man aber viel mehr entdecken, z.B. die Verrazano Narrows Bridge.


Ein schönes Auto. Quizfrage: aus welchem Film und welcher Serie kennt man es?

Auf der Brücke wurde, so hat mir ein New Yorker auf meiner zweiten Staten Island Ferry Tour erzählt, eine Szene von Saturday Night Fever gedreht. Die Brücke verbindet Brooklyn mit Staten Island und ist, wie im Grunde alle Brücken hier, ein recht beeindruckendes Bauwerk.


Lang und groß und hoch undundund

Rudi und ich sind bestimmt eine Stunde am Strand langgelatscht, haben uns Treibgut und anderen Meereskram angeguckt und sind bis unter die Brücke gelaufen.

Im Anschluss daran wollte Rudi mir Staten Island zeigen und ich muss sagen: das ist mal echt anders da als sonstwo in New York. An einigen Stellen gibt es wunderbare alte viktorianische Villen, an anderen aber, wie soll ich sagen, „so richtig Amerika, wie im Fernsehen“.


Das Foto kann nur bedingt was dafür, dass der Foto-Graf so schlecht ist

Wir fuhren den Hylan Boulevard herunter, der im Grunde die ganze Ostseite Staten Islands entlangführt. Dieser Boulevard bot alles, was man sich an Fast Food Ketten so vorstellen kann und sieht so aus, wie ich mir amerikanische Städte immer vorgestellt habe: Geschäft an Geschäft an Geschäft an großer und breiter Straße. Um den Tag abzurunden kehrten wir dann auch an einem Fast Food Laden ein, von dem ich mal gehört hatte und wissen wollte, was es denn da mit so auf sich hat. Das Fazit: Wendy’s Fast Food ist genauso mittelmäßig wie das anderer bekannter Ketten.

Das Fazit dieses Beitrags: So richtig lustig wars nicht, aber dafür hatte ich genug zu erzählen.


7 Antworten auf „Häppchenweise genießbar“


  1. 1 Ölaf 20. Oktober 2012 um 21:25 Uhr

    Zu wenig Kommentare, wie?
    Na das wolln‘ wa doch mal sehn…

    Spass, beiseite. Ich find die Fotos von der Skyline sowas von abgefahren und kann mir kaum vorstellen wie verrückt das in echt aussehen muss.
    Bei Wendy’s sind die Burger-patties viereckig, oder? Ansonsten der gleiche Mist wie überall.

    Bored to Death und Darjeeling Unlimited!

  2. 2 Administrator 20. Oktober 2012 um 23:15 Uhr

    wir hatten beide huhn, wie die burger aussahen weiß ich nicht genau

  3. 3 Michael 21. Oktober 2012 um 19:44 Uhr

    Wo, in Darjeeling Limited, kommt das Auto vor.

    Nein, Wendy´s Burger sind rund, White Castle Burger sind viereckig.

  4. 4 Administrator 22. Oktober 2012 um 1:15 Uhr

    keine ahnung, wo der in dem film vorkam; rudi sagt, dass dem so gewesen sei

  5. 5 Philipp 25. Oktober 2012 um 19:26 Uhr

    Sag mal, wie heißt denn die amerikanische Franzosentruppe? Weißt du das noch? Würd mich mal interessieren deren Mucke!

  6. 6 Joern 25. Oktober 2012 um 23:00 Uhr

    die heissen: „Les Sans Culottes“

  7. 7 bruder herberto 27. Oktober 2012 um 11:58 Uhr

    hai bruder jörn…habe jetzt endlich mal deine seite angeschaut…du hast echt ne gute schreibe….zu lang ist es auch nicht….ich war in den 80igern in new york, und will unbedingt nochmal hin….aber erst mal kommst du ja bald wieder…ich vermiss dich auf dem soccer field….achja…eine wm spielen wir noch zusammen, gelle ?….take care…dein bruder am ball….herberto

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