Archiv für September 2012

Laaangweilig: New York ist immer noch toll

Ein doppeltes „nachdem“: Nachdem ich im letzten Eintrag so ziemlich alles gesagt habe, was ich so über New York und mein Leben hier bis dato zu sagen hatte, dachte ich mir ein Schweigen wäre erst einmal in Ordnung. Nachdem ich in den letzten zwei Wochen nahezu durchgängig Besuch hatte, war ich auch dazu gezwungen zu schweigen, denn Freunde zu Besuch zu haben ist ziemlich großartig und dann verbringt man lieber Zeit mit denen als mit bloggen.

Mein Schweigen, weil ich ja im Grunde alles gesagt habe, hat nicht dazu geführt, dass ich kluge Ideen hatte, worüber ich nun noch schreiben könnte. Ich versuche es trotzdem mal.

1. Alltag

Nachdem ich mich im letzten Beitrag sehr ausführlich mit der Frage auseinandergesetzt habe, ob ich nun hier ‚heimisch‘ geworden bin und darauf ein eindeutiges sowohl-als auch zu antworten wusste, komme ich auch heute nicht umhin ein wenig über meinen Alltag zu schreiben.

Ich mache hier echt viel Zeug, das für Außenstehende eher uncool und langweilig wirkt: zum Beispiel arbeiten. Im Grunde hat mich persönlich das Konzept von Arbeit und dem was so dazugehört (Aufstehen zu nicht von mir bestimmten Zeiten, so ins Bett gehen, dass man auch wirklich morgens aufsteht, dass man nicht ganz das anziehen darf was man gerne möchte: ein T-Shirt auf dem „Fuck You“ steht geht einfach nicht auf Arbeit; kurze Hosen sind auch nicht so richtig gern gesehen) noch nie so richtig überzeugt. Ganz ohne geht es aber wohl nicht. Über das, was ich im Archiv so tue, habe ich ja bereits ausführlich berichtet (altes Zeug sortieren). Das macht mir nach wie vor auch echt Spaß. Das Schöne daran ist, dass man dabei feststellt, dass auch früher der Alltag der Menschen nicht zwangsläufig spannender war. Der Briefwechsel zwischen Stefan Zweig und Siegfried Warburg, den ich jüngst bearbeitet habe, war zum Beispiel tatsächlich ziemlich langweilig.
Ein Grund, warum ich hier gerade schreibe ist auch, dass ich mit meiner Arbeit an einem Aufsatz für eine wissenschaftliche Zeitschrift so weit fertig bin, dass ich was neues anfangen müsste und darauf habe ich jetzt gerade mal keinen Bock.

In meinem New Yorker Alltagsleben mache ich aber auch Sachen, die ich total gut finde und deshalb auch gerne oft mache. Zum Beispiel grillen. Dabei geht es nicht immer so feudal zu, wie auf dem unteren Foto (ähem, es gab: Filet Mignon, grünen Spargel und, naja, Wurst).


(Grillen)

Im Gegenteil: Grillen ist für Rudi und mich einen total legitime Art der Essenszubereitung, die kein großes Drumherum benötigt; manchmal wird einfach schnell der Grill angeschmissen, es wird ein Stück Tier in der ein oder anderen Variante draufgelegt und dann gegessen; Salat kann, muss aber nicht sein.

Ich spiele auch nach wie vor gern Fußball. Das Problem dabei ist, dass die Saison für die Jugendmannschaften wieder angefangen hat. Diese Teams haben eine offizielle Erlaubnis die Fußballplätze hier zu benutzen. Das führt dazu, dass die ‚Pick-Up-Games‘ auf sehr engem Raum stattfinden, was oft ziemlich frustrierend ist. 10 gegen 10 funktioniert nicht auf dem Drittel der Fläche eines normalen Fußballfeldes.

Ferner gefallen mir nach wie vor geradezu ikonische New York-Szenen total gut. Hier eines meiner Lieblingsfotos bisher:


(Ikonisches: Straßen, Menschen, Dampf)

Ich finde es großartig, wenn es irgendwo dampft, Leute recht unorganisiert durch die Gegend latschen und die Sonne scheint. All diese Dinge gibt es sicherlich auch woanders, aber ich bin halt hier.

„Drinking on the Staten Island Ferry is an INSTITUTION“: Diese Worte eines meiner New Yorker Arbeitskollegen haben mich dann doch ein wenig beruhigt, als ich in der Mittagspause vorsichtig erwähnte, dass ich mit meinem Cousin wie mit meinen anderen Besuchern zuvor zum Biertrinken und Skyline gucken die Fähre am Abend nehmen werde.
Dabei fällt mir auf: ich habe noch gar nicht von dieser großartigen Sache berichtet. Also: man kann vom South Ferry Anleger ganz im Süden Manhattans eine Fähre nach Staten Island nehmen. Staten Island ist der fünfte Bezirk New Yorks, den man allzu oft vergisst (zur Erinnerung: Brooklyn, Manhattan, Queens, The Bronx). Es gibt mindestens drei Argumente dafür diese Fähre großartig zu finden: 1. man läuft mit leicht arrogantem Kennerblick an der Warteschlange von Touristen vorbei, die bis zu zwei Stunden anstehen, um dann 25 Dollar für die Liberty Island Ferry zu zahlen (die bringt einen zur ach-so-tollen Freiheitsstatue); 2. ist die Fähre nach Staten Island für lau; 3. fährt man ungefähr 25 Minuten nach Staten Island, hält seine Nase in den Winde und kann die Freiheitstatue auch sehr gut sehen; 4. kann man auf der Rückfahrt solche (siehe unten) und ähnliche Fotos von der Skyline machen; 5. man darf auf der Fähre Bier trinken, muss die Dose nicht in eine braune Tüte packen und vor allem: man muss die Dose innerhalb von 25 Minuten austrinken, weil man sie nicht von Bord mitnehmen darf. Das führt natürlich dazu, dass der Erwerb einer 750ml Dose Fosters zu einer fast sportlichen Herausforderung wird. Das waren übrigens mehr als drei Argumente.


(wieder was ikonisches: die Skyline. Die beiden Lichtsäulen werden im Andenken an die „9/11 Attacks“ ein paar Tage vor dem 11. September eingeschaltet)

Was hat das jetzt mit „Alltag“ zu tun? Nicht ganz so viel, weil ich natürlich nicht täglich zwei Dosen Fosters auf einem Boot leere … Allerdings sind Gänge zur Staten Island Ferry und zur High-Line das, was ich wirklich oft und sehr gerne hier mache.

2. Diverses

Nachdem ich nun thematisch eher unorganisiert vor mich hingeplappert habe, hier nun noch viel ungeordnetere Sachen, die mir aufgefallen sind und die mir gefallen und/oder mich amüsieren.
Ich war mit meinem Cousin während seines Besuchs am Rockaway Beach (den die Ramones in einem wirklich witzigen Surf-Rock-Song besingen). Nachdem wir zunächst von der Polizei im Ortsteil „Far Rockaway“ freundlich darauf hingewiesen wurden, dass wir im gefährlichsten Teil des Bezirks Queens seien (ich muss übrigens immer schmunzeln, wenn ich Bezirk sage: der Bezirk „Brooklyn“ allein hat fast eine Million mehr Einwohner als die „Stadt“ Hamburg; Queens fast eine halbe Million mehr) und wir, wenn wir nicht überfallen und/oder ermordet werden wollten doch eher rasch zurück zur U-Bahn gehen sollten, nahmen wir im zweiten Anlauf dann die richtige Bahn und kamen an einen unfassbar schönen Strand. Natürlich gibt es dort keine Palmen und ähnlichen Karibik-Quatsch, aber das Meer ist klasse, schön wild und wahnsinnig und dazu echt angenehm warm. Die Mütze auf dem unteren Foto habe ich nur auf um möglichst wenig Ohrenschmerzen zu bekommen.


(der Autor in einer albernen Pose)

Gestern war ich mit Rudi wieder am Strand und habe mir den ganzen Tag die Sonne auf den Pelz scheinen lassen. Ich finde es unfassbar, dass diese wunderbare Stadt neben allem anderen auch noch einen so tollen Strand hat. Wenn ich groß bin will ich hier leben – für immer.

Wenn man sich in Deutschland über den so genannten „Schilderwald“ mokiert, dann sollte man sich mal eine Weile hier aufhalten. Es gibt nämlich wirklich VIELE Schilder hier, teilweise allein fünf um die Einzelheiten der Parkerlaubnis auf dem Seitenstreifen zu regeln. Besonders amüsant und auch irgendwie niedlich fand ich folgende Warnung vor Enten direkt an der Westside:


(Enten in New York)

Generell gibt es viele Zeichen in dieser Stadt: Sollte man sich einmal unsicher sein, wo man sich befindet, so weisen dezente Hinweise an U-Bahnen und Gebäuden darauf hin, dass man in den USA ist:


(diese U-Bahn verkehrt in den USA)


(„Streetart“ …)

So richtig zufrieden bin ich mit diesem Beitrag nicht, aber ich weiß zur Zeit wirklich weder besonders Spannendes noch Lustiges zu berichten. Nächste Woche fängt mein Konzertmarathon hier an: „I‘ll be your Mirror-Festival“ (22.9.), „Two Gallants“ (24.9.), „Minus the Bear & Cursive“ (29.9.), „Texas is the Reason“ (10.10.). Spätestens danach könnte es lustig werden, wenn ich nämlich versuche über Musik zu schreiben. Meinen werten LeserInnen ein aufrichtes: „Entschuldigung“; es wird vielleicht wieder lustiger und spannender, vielleicht aber auch nicht. Kann auf jeden Fall gut sein, dass sich ein paar dafür interessieren, was ich hier so treibe, auch wenn das nicht besonders aufregend ist. Man kann auch nur so und so oft schreiben „I love New York“