Archiv für Juli 2012

erste Erfahrungen

+++ Achtung! ironischer Auftakt: +++

So die ersten dreieinhalb Tage sind rum, Zeit für ein Fazit (wenn sich tatsächlich noch Änderungen ergeben sollten, so würde mich das wirklich sehr überraschen), denn NY kann man durchaus in drei Tagen hinreichend kennenlernen.

+++ Achtung! Ende der Ironie +++

Ich habe den Eindruck, dass ich keinen wirklich kohärenten Text produzieren kann, der meine Eindrücke auch nur annähernd zusammenfasst. Ich denke der folgende eher eklektische Aufguss meiner Erfahrungen, trifft meinen derzeitigen state of mind auch sehr viel besser als ein elaborierter und bestenfalls auch noch witziger Text. Also: im Folgenden eher Gestammeltes und wenig wirklich Lustiges (dafür war ja der Opener total lustig).

1) Fläche:

a) Gestern bin ich von meiner derzeitigen Bleibe zu meinem zukünftigen Zuhause mit der U-Bahn gefahren und war gute 1 1/2 Stunden unterwegs (liebe Berliner: von Friedrichshain nach Dahlem sind es auch gut 1 1/2 Stunden, ich weiß, allerdings habe ich nur etwa 1/4 der Gesamtfläche New Yorks durchquert).

b) Vorgestern war ich mit der netten Freundin, die mir derzeit Unterkunft gewährt, und ihren Kollegen in einem Restaurant; laut google.maps lag das Restaurant in der Nähe der U-Bahn-Station 5th Av. / 53rd St.; ich musste dann allerdings doch geschlagene 40 Minuten latschen um von der Station zum Restaurant zu kommen. Schlussfolgerung: 1. google.maps ist für NY nur bedingt brauchbar, 2. 20 Blocks sind sehr viel weiter als es klingt.

2) Höhe: Diese ganzen tollen Häuser, die man in allerlei Serien mit Kameraschwenks und Hubschrauberanflügen und so sieht sind zwar total abgefahren von der Ferne, wenn man allerdings recht nah dran ist, dann werfen sie nur sehr sehr viel Schatten und sind unglaublich schwer zu fotografieren. Hier ein Beispiel:

3) Spocht: Das Baseball-Team der New York Yankees kennen wohl ziemlich viele Leute (deren Logo prangt auf den Mützen zahlreicher HipHop-Clowns und Party-Rapper); das kommt nicht von ungefähr, sind sie doch sowas wie der FC Bayern des Baseball (nur mit Tradition …). Die New York Mets, das andere Major-League-Team New Yorks, kennen wohl eher weniger Leute. Auch das kommt nicht von ungefähr, sind sie doch ziemlich schlecht. So haben sie in den Top 50 der besten Hitter der MLB ganz genau: Keinen Spieler (immerhin haben sie den 14. besten Pitcher). Dennoch war es mir eine große Freude, als ich die Gelegenheit bekam eine übriggebliebene Karte für die Mets gegen die Washington Patriots (ehemals Montreal Expos … das finde ich übrigens ziemlich lustig) zu nutzen. Das Spiel war schlecht, die Mets noch schlechter und die Patriots haben – glaube ich – mit 5 zu 2 runs gewonnen.
Das Stadion fand ich hingegen überaus erstaunlich (siehe Fotos). Dadurch, dass das Baseball-Feld die Form eines Diamanten hat, wirkt das Stadion als solches mehr als asymmetrisch, was mir als geneigtem Fußball-Zuschauer merkwürdig vorkam. Ich bin sehr gespannt, wie viel Stimmung während des Fußball-Länderspiels Chile vs. Ecuador (ich habe KEINE AHNUNG, warum die grad in den USA ein Spiel austragen) aufkommen könnte. Eventül gucke ich mir das Spiel sogar an.
Des Weiteren wurde ich bei dem Spiel erstmals Zeuge der amerikanischen Art und Weise des Sportkonsums, und DAS fand ich echt merkwürdig. Es wurde nach fast jedem Pitch Musik gespielt, um mich herum wurde im Sitzen oder Stehen herumgetanzt, bei Wechseln wurden allerlei dämliche Quizzes veranstaltet und es wurde mit T-Shirt-Kanonen (für die Simpsons-Fans: das Ding mit dem Maud Flanders getötet wurde) ins Publikum geballert. Als die Mets aus Versehen beim Stande von 5-1 alle drei Bases besetzt hatten (weil der Nationals Pitcher unglaubliche 8 Balls in Folge geworfen hatte und ein Mets-Batter einen Pitch ganz gut traf), fiel der Jugendgruppe auf unserer Tribüne nichts besseres ein als ne La-Ola-Welle zu starten … wäre ich so richtig Fan der Mets gewesen (ich habe wirklich n bißchen mitgefiebert), wäre ich wahrscheinlich ziemlich doll ausgerastet …
Der Rest in Kürze: Bier – teuer; Burger – mies; Sonne – doll (Sonnenbrand); noch mal Baseball – auf jeden Fall, aber dann die Yankees!

4) Freundlichkeit: Ich bleibe dabei, mir ist es sehr viel lieber wenn Menschen oberflächlich freundlich zu mir sind, als wenn sie sich mir gegenüber ganz aufrichtig unfreundlich verhalten. Wen immer man fragt (nur nicht gerade in Manhattan, weil da fast nur Touristen wie ich den ganzen Tag lang rumlaufen): man erhält immer sehr freundlich Auskunft. Man muss ja nicht gleich eine tiefe Freundschaft über der Frage nach dem Weg beginnen …

+++ Achtung! ironischer Schluss

5) Anpassung: Gestern auf dem Weg zur Brooklyn Bridge wurde ich gefragt, welches Gebäude denn dies zur Linken sei; da ich mich vorher verlaufen hatte, wusste ich das sogar; ich denke, das heißt, dass ich schon so ein richtiger New Yorker geworden bin und auch als solcher erkannt werde. Das zeigte sich auf dem Rückweg auch wieder, als ich nämlich sehr zielstrebig in den falschen Bus einstieg und in einem heftigen Gewitter die Straßenseite wechseln durfte.

Dublin-Warten-New York

14:00, 26 Stunden wach, whohooo

14:15, mal ne Runde Doppelkopf

14:29, hmm, meine KreditkartenPin war doch ****, oder? ODER? Großer Sorgenquatsch, gleich mal was Dummes kaufen … langweilig is auch

14:56, rumgerenne und für zwei flaschen wasser und ne jumbo-packung airwaves entschieden; **** ist zum Glück richtig und ich hab jetzt was tolles gekauft

15:25, auch das gehört zu nem Live-Ticker: ich war auf Klo und das was ich dort sah fand ich richtig gut; Moritz, Philipp, Sörn: das will ich auch haben, wenn ich wiederkomme

16:01, ich weiß jetzt wo mein Gate ist! Um 16:30 dürfen die Reihen 1-4 an Bord; ich bin Reihe 42 … latsche ich nochmal in die raucherzone zurück? Btw: 28 Stunden wach

16:23, weird, ich bin schon dran

16:55, Flugzeug betreten, Platz gefunden (letzte Reihe – für alle die noch nie auf Klassenfahrt waren: da sitzen immer die Coolen!), Bright Eyes auf die Ohren und ab gehts. Ich bin sehr gespannt, was ‚the Wonderful World of In-Flight Entertainment‘ wohl zu bieten hat; mein ganzes Geld ist auf Sandra Bollock (sic!) oder Shrek

17:24, in der Luft; es gibt einen sehr umfassenden Film mit einem animierten Fluggast, der die wunderlichsten Dinge treibt; leider bekomme ich während des sehr amüsierten abfotografierens der einzelnen Situationen mächtig Ärger mit der Stewardess und muss die Fotos löschen. Eins habe ich aus Versehen behalten, aber zum Schutz der Privatsphäre des Männchen leicht verfremdet

+++ da ich so viel Ärger gemacht habe, darf ich mein Händi nichmal im Flugzeugmodus anhaben, daher bricht der Ticker hier leider ab; am JFK wollte ich mich nicht länger als nötig aufhalten und das freie Netz von einem Nachbarn habe ich jetzt gerade (24.7.12, 17:25) erst entdeckt; daher gibt es nun eine Art Live-Mitschnitt +++

um 18:00, In-Flight Entertainment geht an; ich wäre pleite, hätte ich mein Geld gesetzt, denn es gibt ganz viel verschiedenes Zeug; also einzelne Folgen Family Guy und weitere Folgen, allerdings von ganz vielen Scheiß-Serien, sehr beschissene Filme (ich wähle einen Kriegsfilm, den ich nicht kapiere, weil ich zwischendurch eingeschlafen sein könnte) und eine recht aktuelle Folge Top-Gear, die ich mir für die letzte Stunde aufhebe

seit 18:00 bis Ankunft JFK: Getränke für lau, aber Alkohol für teuer; ein Cidre kurz vor der Landung für n fünfer (EURO) geholt, Sodbrennen und so, naja; Essen: SpaBo (Spaghetti Bologense) mit Pilzen, was mir aber erst zum Schluss auffällt … geschmeckt hat es so lala, aber is halt Flugzeug-Essen; irgendwann is wieder Zeitumstellung, ich weiß nich; zahlreiche erfolglose Schlafversuche; mindestens ebenso häufig zengelt die eine oder andere Flugbegleiterin (in meiner Sektion sind nur Frauen an der Arbeit, daher kein „I“) gegen mein linkes Bein; irgendwelche Formulare werden unter Stirnrunzeln ausgefüllt; es tut sich nicht so wahnsinnig viel in einem Flugzeug

+++ Händi geht nach der sehr nervenden Einreise-Kontrolle wieder an; bzgl. Einreisekontrolle:

Kontrolleurin: „What are you going to do in the US?“
Ich: „Research for my PhD-Thesis“
- „What is your thesis about?“
HÄH? Will die das jetzt echt wissen? … „I beg your pardon?!“
- „What do you do in your thesis?“
Tatsache … also stammel ich etwas von Body History, Discursive Formations, Modernity, Masculinity und sie ist zufrieden … so mach ichs in der Disputation vielleicht auch mal

Also, weiter im Live-Ticker +++

20:17, NEW YORK, ALTER; überall am Flughafen rennen Leute rum, die „Any questions, do you need help, come and ask me“ und so weiter rufen … abgefahren und n echt guter Service

20:25, Ich habs geschafft, ich hab den Air Train Richtung Jamaica genommen und das dauert gar nicht so lange wie ich gedacht habe; jetzt weiter im E-Train rein nach Manhattan

20:45, wann kommtn der Kack-Zug? Es sind schon zwei vorbeigefahren, die jeweils „Last Stop“ angezeigt haben …

20:49, alles klar, falsches Gleis, hätte ich mal wen gefragt; drei anderen Mitreisenden geht es ähnlich

21:24, so, jetzt in die 2 und dann die 5, beides Uptown Richtung Bronx; Carola macht sich bestimmt Sorgen und da in der saunartigen U-Bahn Station (kein Scheiss, das waren sicherlich noch 30 Grad) ein Münzfernsprecher vorhanden ist, frage ich zwei Damen, ob mir eine der beiden n Dollar kleinmachen kann; könnense nich, aber ich fahre zwei Stationen mit einer der beiden mit, „don‘t worry, its your direction anyway“, wo sie dann aussteigt und mich auf ihrem Glitzersmartphone telefonieren lässt; gleich darauf habe ich eine ganze Truppe junger Mädchen als Reisebegleitung, die – auf Geheiß der Glitzersmartphone-Frau – den Rest des Weges ein wenig auf mich achten … amerikanische Oberflächlichkeit is mir echt egal, die Leute hier sind dermaßen nett!

22:08, so angekommen, Eastchester Road, South Bronx, die erste Adresse in New York für diese Woche, dann gehts zu Rudi nach Brooklyn

Nachtrag:

irgenwann bin ich dann ins Bett, hab mir aber vorher noch bei nem Deli Zigaretten für 12 Dollarios geholt; ich weiß nicht wo der Dollar i.A. steht, aber das is wohl doch eher teuer …

Liveticker OL-Dublin

3:46, Getränk vergessen, zum
Glück hat der Automat nur Capri-Sonne Multi-Vitamin oder Energy Drinks…ich nehme die Vitamine

5:19, um diese Zeit ist es tatsächlich bereits sehr hell,erstaunlich

5:35, warum hat Osnabrück eigentlich zwei Bahnhöfe? Bescheuert… Egal, erste Etappe geschafft

9:10, sehr langwieriger Check-in beendet; der mich konsequent duzende, dafür aber ohne danke und bitte auskommende junge Mann war nicht direkt Herr der Lage

11:26, eine 3/4 Stunde ist vergangen im Flugzeug, dass aus der Hölle kam: Null Beinfreiheit sowie Getränke und Snacks ‚reasonably priced‘ … wenn der Flug übern Teich auch so is, dann buche ich nie wieder über mitfluggelegenheit.ru

10:37, ich habe die Zeit geändert, Wahnsinn

11:45, rauchen: dafür läuft man bei den gesundheitsbesessenen Iren ne halbe Stunde durch ihren Flughafen

13:36, Internet, irre